KRITIK

Super-Hypochonder

Bild (c) Prokino Filmverleih.

Bild (c) Prokino Filmverleih.

Der 6-Mio.-Besucher-Überraschungserfolg aus Frankreich „Willkommen bei den Sch’tis“ liegt sechs Jahre zurück. Seither versucht der französische Komiker Dany Boon an seinen größten Erfolg anzuknüpfen. Doch weder als Regisseur ähnlich gestrickter Culture-Clash-Klamotten („Nichts zu verzollen“) noch als Darsteller in unbedarften Liebeskomödien („Der Nächste, bitte!“) gelang ihm bislang der nächste große Wurf. Vielleicht griff er deshalb für seine neue Arbeit als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller auf einen Topos zurück, der in Frankreich seit Molières Zeiten zum Standardrepertoire der Komödienwelt gehört: auf die Mär vom eingebildeten Kranken.

Dany Boon selbst spielt Romain, einen neurotischen Hypochonder hysterischster Art, der den Alltag zwischen strahlenden Handys und allüberall lauernden todbringenden Keimen nur als nie endenden Hindernisparcours wahrnehmen kann. Sein bester Freund ist – natürlich – ein Arzt, gespielt von Boons „Sch’tis“-Kollege Kad Merad. Dr. Zvenka hat an Romain bereits ein Vermögen verdient, inzwischen aber die Schnauze voll von seinem Panik-Patienten, der immer häufiger bei ihm auf der Matte steht. Sein Rat, sich zu Ablenkungszwecken am besten mal richtig zu verlieben, geht nach hinten los: Der falsche Malade verguckt sich ausgerechnet in Anna, Zvenkas schöne Schwester (Alice Pol aus „Der Nächste, bitte!“).

Szene_Super_Hypochonder„Super-Hypochonder“ ist eine mäßige Komödie, die akzeptabel beginnt und dann schnell immer schwächer wird. Anfangs erheitern Boons selbstdiagnostische Hysterie-Einlagen noch, der Film scheint die US-Satire „Was ist mit Bob?“ (Frank Oz, 1991) zu kopieren, in der sich Bill Murray einst ins Leben eines Therapeuten drängte. Dann aber verwechselt Anna Romain mit einem osteuropäischen Revolutionär, wodurch der Film in die Gefilde einer platt-albernen Slapstick-Posse abgleitet. Spätestens da wird deutlich, wie viel Boon dann doch noch von seinen Vorbildern (Louis de Funès und Pierre Richard) trennt.

 




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