KRITIK

Suck my Dick

Suck my Dick Oskar Roehler, der in einigen Filmen mit Schlingensief zusammengearbeitet hat, dreht eine Trash-Satire auf eine von Verlustängsten geprägte Schicht: erfolgreiche Männer um die 50. Mit den Mitteln des 60er Jahre-Kinos, Kamerafahrten und Bildnachbearbeitungen wie in „Avantgarde“-Filmen jener Zeit, aber auch engen Anlehnungen an Woody Allen spielt er wie ein Hochseilartist im Weltraum: die Bälle fliegen, kommen aber nicht immer zurück. Die Zitate und Anspielungen aus Literatur(-kritik) und Film, aus Musik -und Zeitgeschichte bilden eine chaotisch-anregende Melange.
In dreißig Tagen und mit etwas über 2 Mio DM entstanden, ist diese schauspielerisch interessant besetzte Produktion sicherlich eher mit den früheren Arbeiten Roehlers – auf keinen Fall aber mit „Die Unberührbare“ zu vergleichen. Trotz des moralisierenden Endes ( – der angedeuteten Verführbarkeit durch die 16jährige Freundin der Tocher des Dr. Jeykill-) eine wunderbar überdrehte, von der Vorstellung des Regisseurs geprägte Satire, wie sie nur einige wenige deutsche „Underground“-Filmer des Kalibers Rosa von Praunheim zustande bringen. In dieser Form unbedingt empfehlenswert für Liebhaber dieser Filmgattung, aber wohl eher nur für diese. Rainer Bach



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INHALT

Dr Jeykill ist ein erfolgreicher Romanautor in Berlin. Basis seiner Werke sind die beiden, seiner Meinung nach bestimmenden Pole der Gesellschaft: Sex und Geld. Doch treibt ihn ein Problem zum Psychiater: eine seiner Romanfiguren, Hyde, die eine seiner Sorgen im Gehirn wälzt, macht sich selbständig und befreit sich aus seinem Kopf. Mit Hilfe der Fee Jeanny, die als hippe (Pseudo-)Künstlerin sich nochmals realisiert, entreißt die materialisierte Neurose seinem Wirt Dr. Jeykill im Traum alles, was ihm wichtig war: zuerst sein übergroßes Geschlecht, dann seine Haare, seine Zähne und zu guter letzt den Erfolg. Unangreifbar ist Hyde, der sich aneignet, was der "Mann in den besten Jahren" gerne hätte: Erfolg im Bett und Beruf. Weder seine Ex-Frau, noch sein Psychiater, noch seine koksende Tochter können ihm helfen. Ratlos stehen sie vor dem immer desolateren Ex-Star. Als sein neues Buch nicht ver- und eine geldgierige BWL-Studentin nicht flachge-legt wird, fängt der Schriftsteller an, sein Schicksal zu akzeptieren. Beruhte nicht auch sein Erfolg auf den verfassten Zeilen des von ihm ermordeten realen Hydes? Als der Fiktive wieder ins Gehirn zurückkehrt, ist ein Stück Vergangenheitsbewältigung erfolgt.
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Eure Kritiken zu Suck my Dick

  1. Ralf

    Was will Roehler mir…mit diesem Film nur sagen??? Ich war fasziniert von seinem Film „Die Unberührbare“ mit H. Elsner. Doch hier scheint er mit diesem Film jeden vor den Kopf schlagen zu wollen! Ein undurchsichtiger Film.

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