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Suburbicon

Plakat-zum-Film-Suburbicon-mit-Matt-Damon-als-Cover.

Bild (c) 2017 Concorde Filmverleih.

George Clooney hat ganz offensichtlich ein Faible für die 1950er Jahre! Es ist nicht das erste Mal, dass er sich in seinem sechsten Film als Regisseur, „Suburbicon“, mit jener Epoche auseinandersetzt. Auch schon sein „Good Night, and Good Luck.“ oder „Hail, Caesar“ von den Coen-Brüdern waren in jener Zeit angesiedelt, in denen in Hollywood eine Hetzjagd auf mögliche Kommunisten veranstaltet wurde, um von den eigentlichen Problemen des Landes abzulenken.

Damals lag in der US-amerikanischen Gesellschaft so viel im Argen, dass es nicht mehr lange dauern sollte, bis die Missstände offensiv angegangen wurden. Eine gesellschaftspolitisch sehr angespannte Situation, in der es nur eine Frage der Zeit war, wann sich Bürgerrechtsbewegung, Hippie-Proteste oder die Schwulenbefreiung entluden.

Davon ist man im idyllischen „Suburbicon“ des Jahres 1957 jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Die aus dem Boden gestampfte Kleinstadt mit den gepflegten Vorgärten und den adretten weißen Kleinfamilien scheint die perfekte Postkartenversion des amerikanischen Traums zu sein. Als eine erste dunkelhäutige Familie in die Nachbarschaft zieht, formiert sich schnell Widerstand gegen diesen unerhörten Affront.

Szene-aus-dem-Film-Suburbicon-mit-Matt-Damon-und-Julianne-Moore-in-der-Küche.Gardner Lodge (Matt Damon) und seine Familie geraten kurze Zeit später in die Gewalt zweier Männer, die des Nachts in ihr Haus eingedrungen sind. Den Überfall bezahlt Gardners an den Rollstuhl gefesselte Ehefrau Rose (Julianne Moore) mit ihrem Leben. Deren Zwillingsschwester (ebenfalls Moore) nimmt sich ihres Schwagers und des minderjährigen Sohnes Nicky (toll: Noah Jupe) an und zieht kurzerhand ins Haus mit ein. Aber das Trauma ist noch nicht ausgestanden, und vielleicht hängt ja all das mit der „Negerfamilie“ zusammen, die seit kurzem in der Nachbarschaft lebt.

Man merkt dem Film an vielen kleinen Details an, dass die Autorenbrüder Joel und Ethan Coen am Drehbuch zu „Suburbicon“ mitgewirkt haben – ihre Originalidee stammt bereits aus den 80er Jahren und wurde nun von Clooney und Grant Heslov auf den neuesten Stand gebracht. Allein die Schilderung des perfekt durchgeplanten Kleinstadtidylls mit seinen misstrauischen Bewohnern, die sich allem Fremden mit großer Leidenschaft entgegenstellen, atmet den sarkastischen und von viel Lebensweisheit geprägten Stil der Coens.

Szene-aus-dem-Film-Suburbicon-mit-Matt-Damon-und-Julianne-Moore-im-WohnzimmerAuch, wenn es dann etwas später im Film deutlich ruppiger und nihilistischer zugeht, hat man eine ungefähre Ahnung, von wem die Ideen dazu stammen könnten. Anhand der „schwarzen Eindringlinge“ in die weiße Vorstadtenklave werden symbolisch einige Verhaltensweisen der konservativ-verstockten Gesellschaft in den 1950er Jahren angeprangert.

Aber „Suburbicon“ ist mehr als nur eine stimmig und nett bebilderte Aufarbeitung einer regressiven Vergangenheit, denn die Parallelen zu den Entwicklungen in unserer Zeit sind mannigfaltig. Sie reichen vom Zaunbau an der Grundstücksgrenze zu den unerwünschten Nachbarn bis hin zu einer generellen Verweigerung allem Fremden und Unbekannten gegenüber, das nicht in die eigene Lebensrealität passen will. Eine gelungene Gesellschaftssatire mit unangenehm aktuellen Bezügen.

 

Kritikerspiegel Suburbicon



Lida Bach
pressplay, Title-Magazin.
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Stefan Turiak
Widescreen, mehrfilm.de
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
4.5/10 ★★★★½☆☆☆☆☆ 


 

Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du bei uns im Kritikerspiegel.

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