KRITIK

Submarine

Plakat zum Film SubmarineFilmhistorisch betrachtet hatte der Nerd seinen ersten als solchen gekennzeichneten Auftritt in der 84er-Collegekomödie „Revenge of the Nerds“, die hierzulande etwas unbeholfen als „Die Rache der Eierköpfe“ durch die Videoregale geistert. Wenngleich seine sprachliche Herkunft bis heute ungeklärt bleibt, ist der Nerd seitdem aus dem Figurenrepertoire der westlichen Hemisphäre kaum noch wegzudenken – im Gegenteil, von der „Big Bang Theory“ bis letztlich auch „Harry Potter“ sind es die linkischen Jungs (selten auch Mädchen), die immer mehr im Mittelpunkt stehen.

Mit Comicverfilmungen und Fantasysequels hat sich Hollywood mittlerweile fast völlig der Nerdkultur verschrieben; im US-Independentkino gibt es seit jeher große Sympathien für die Außenseiter und Loser. Kleinere Ausläufer schwappen auch über die britischen Inseln, wie etwa die enorm erfolgreiche Sitcom „The IT Crowd“, die kläglicherweise auch mal von SAT.1 versucht wurde nachzudrehen, aber das ist ein ganz anderes, trauriges Thema.

Richard Ayoade spielt dort mit Afro-Seitenscheitel eine der Hauptrollen und hat nun mit „Submarine“ sein Regiedebüt abgeliefert. Einen lupenreinen Nerdfilm, wen wundert’s. Oliver Tate ist 15, mit seiner Beatles-Frisur, seinem Dufflecoat und seiner altklugen Art ein Außenseiter, wie er im Buche steht. Die Ehe seiner Eltern geht zusehends in die Brüche, die Pubertät bricht über den schwermütigen Jungen mit voller Wucht herein und die hübsche, coole, sarkastische Jordana nimmt zunächst kaum Notiz von ihm.

Szene aus dem Film SubmarineComing-of-Age nach bewährtem Strickmuster, möchte man meinen, aber Ayoade peppt das scheinbar ausgelutschte Genre mit stylishen Spielereien und Kennerblick für die richtigen Details auf. Als etwa Oliver seinen Eltern offenbart, dass er mit der leicht pyromanischen Jordana zusammen ist, schenkt ihm sein Vater ein Mixtape, dessen A-Seite aus Lovesongs besteht, die B-Seite aus Liedern übers Schlußmachen. Soviel Pragmatismus ist selten.

Zum rigorosen Stilwillen eines Wes Anderson fehlt zwar noch ein wenig, aber Ayoade zeigt sich mit „Submarine“ auch hinter der Kamera als vielversprechendes britisches Comedytalent. Die Dialoge und Off-Kommentare sind abgeklärt und treffsicher, sein illustres Ensemble zeigt sich spielfreudig und gewitzt. Äußerst angenehme Unterhaltung also, die außer seiner Hauptfigur niemandem wehtut und für 90 Minuten ein wissendes Lächeln hervorzaubert.

 

Kritikerspiegel Submarine



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Bernhard Trecksel
Die Wochenschau
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
7.5/10 ★★★★★★★½☆☆ 





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