KRITIK

Sturm, Der

Sturm, Der Wasserratte Wolfgang Petersen traut sich nach seinem Welterfolg „Das Boot“ wieder aufs offene Meer. Doch im Gegensatz zu seinem Weltkriegsdrama aus dem Jahre 1980 benötigt er diesmal nur wenige Worte, um sein neuestes Werk anzukündigen: „Ein Fischkutter fährt raus und kommt nicht mehr zurück“. Mehr gibt die Buchvorlage „Der Sturm – Die letzte Fahrt der Andrea Gail“ von Sebastian Junger nun mal nicht her. Ein typisches Beispiel für einen Naturkatastrophenfilm also, der in Hollywood mit der einfachen Formel: Simple Story + technische Tricks der Superlative spezifiziert wird. Bestes Beispiel dafür: „Twister“ (1996) oder „Vulcano“ (1998). Der Hauptdarsteller kann somit nur die Naturgewalt sein. Natürlich nicht ohne menschliche Schicksale! Um für das nahende Unglück bei den Kinozuschauern ein zu Herzen gehendes Mitgefühl aufzubauen, wird an Familienkitsch nicht gespart. Rührend, wie von Mark Wahlberg und John C. Reilly der harte Alltag eines Fischers intoniert wird, um dann direkt mit dem souveränen Charme und der melancholischen Einsamkeit eines Captain Clooney in die Herzen der Zuschauer gespült zu werden. Kino auf der Grenze zwischen hartem Alltag und fantastischer Fiktion. Kein einfacher Weg. Petersen hat ihn leider nicht geschafft. Der eigentliche Hauptdarsteller läßt sich dann sehr viel Zeit für seinen Auftritt. Eine Stunde muss der weichgespülte Kinozuschauer platte und naive Hau-Ruck-Dialoge über sich ergehen lassen, bis es endlich zur Sache geht. Dann aber richtig! Dank eines See-erprobten Regisseurs und einer hervorragenden digitalen Umsetzung durch die George Lucas (Star Wars) Firma Industrial Light and Magic – ILM, kann der Hauptdarsteller schließlich das Ruder noch einmal herumreißen. Und das nach gescheiterter Einleitung weitaus besser als erwartet. Nie hat es in einem Kinofilm eine bessere Umsetzung einer Naturgewalt gegeben. Nie zuvor hat man sich im Kino jemals so sehr durchschaukeln lassen. Die ersten Zeilen der Einleitung schiessen dem wankenden Zuschauer ins Gedächtnis, dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht. Wer daraufhin keine nassen Füße bekommt, der hat sich noch nie der Faszination eines Naturschauspiels hingegeben. Warum nicht einmal im Kino? Christian Gertz



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INHALT

Billy Tyne ist Kapitän eines schmucken Fischtrawlers an der Ostküste der USA. Seine „Andrea Gail“ ist ihm und seinem Team ein treuer Begleiter, doch die Fangquote läßt sehr zu wünschen übrig. Meist muss er mit nur halbvollen Vorratsräumen die Rückreise in seinen Heimathafen Gloucester antreten. Kollegin Linda Greenlaw hingegen scheint ihr Näschen stets im richtigen Wind zu haben. Aus dem gleichen Gebiet fängt sie alles, was sich verkaufen lässt. Kurz vor dem Ruin, das heißt vor der Auslösung seiner Mannschaft, hat Tyne am Ende der Saison nur noch eine Chance: Ein weit außerhalb gelegenes Gebiet verspricht jede Menge wertvolle Schwertfische. So sticht er mit seiner treuen Crew trotz Sturmwarnung in See. Und es kommt, wie es kommen musste: Auf offenem Meer gerät das Schiff in einen Jahrhundertorkan apokalyptischen Ausmaßes. Ein brutaler Überlebenskampf beginnt.
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