KRITIK

Stromberg

Bild (c) NFP Film.

Bild (c) NFP Film.

In 2012 gingen fünf TV-Staffeln „Stromberg“ zu Ende. Und sofort hieß es, die titelgebende Hauptfigur, eine mobbende Lästerzunge aus der Capitol-Versicherung (Abteilung Schadensregulierung), werde noch einmal wiederauferstehen – diesmal auf der Kinoleinwand. Das Geld dafür besorgten sich „Stromberg“-Autor Ralf Husmann und Regisseur Arne Feldhusen („Der Tatortreiniger“) auf einer sogenannten „Crowd­funding“-Plattform. Innerhalb einer Woche, heißt es, kam die notwendige Million zusammen, gespendet von treuen Fans der mit dem Grimme-Preis geehrten TV-Sitcom.

In den seltensten Fällen gehen derlei Medientransfers gut: Wenn Fernsehserien ins Kino streben, kollidiert die halbstündige Taktung der Vorlage mit den Erwartungen an einen abendfüllenden Spielfilm. Oft wirkt der Film dann, als habe jemand drei Episoden notdürftig aneinandergereiht oder als habe jemand den Stoff einer Episode auf anderthalb Stunden gestreckt. Nicht so bei diesem Film. „Stromberg – Der Film“ kommt relativ gut über die Runden.

Das liegt vor allem daran, dass Husmann und Feldhusen den liebgewonnenen Figuren zwar die erwartete Bühne bereiten (teilweise allerdings nur mit einer einzigen Szene), die Versicherungsbelegschaft aber bald aus dem angestammten Spielort der Serie, dem Kölner Großraumbüro, herausnehmen und auf ein Betriebsfest schicken. Das erinnert an die Tradition britischer Serien, die am Staffelende oft ein längeres „Special“ hinterherschicken. Angesichts der Tatsache, dass „Stromberg“ als deutsche Variante der britischen Erfolgsserie „The Office“ konzipiert wurde, ergibt das Sinn.

Szene_StrombergUnd so landen Filialleiter Stromberg (Christoph Maria Herbst), sein Lieblingsopfer Ernie (Bjarne Mädel), „Schirmchen“ (Milena Dreißig) und Kollegen nach chaotischer Busfahrt im Landhotel nahe der Firmenzentrale, wo das 50-jährige Konzernjubiläum steigen soll und Stromberg aus der drohenden Schließung seiner Filiale wenigstens noch das Beste für sich selbst herausschlagen will – auf bewährt peinliche Weise. Der Fremdscham-Faktor ist hoch wie eh und je, Stromberg trampelt politisch unkorrekt quer durch den Gefühlsgarten aller Beteiligten.

Am Ende jedoch driftet die Story aus der bewährten „Stromberg“-Welt hinaus ins Politsatirische: Das werden nicht alle Fans mögen. Dem Film tut das ganz gut.

 




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Eure Kritiken zu Stromberg

  1. Münsteraner

    Ich habe mich sehr amüsiert. Ein toller Film. Hoffentlich gibt es noch weitere Auftritte.

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