KRITIK

Stratosphere Girl

Stratosphere Girl
Ähnlich wie „Lost in Translation“ spielt „Stratosphere Girl“ mit Klischees, nur wirkt das ganze hier etwas platt. So wird Japan auf Tokio und Tokio auf die winzige Welt des „Golden Gate Clubs“ reduziert, in dem ausschließlich ausländische Frauen illegal als Hostessen arbeiten. Obergs Japaner lieben Karaoke über alles, sie sind arbeitssüchtig; und vögeln gerne Jungfrauen, Lolitas. Und Frauen sind, wenn unter sich und Konkurrentinnen, die übelsten Zicken, die man sich vorstellen kann. In dieser anonymen, bösen Welt findet sich die engelsgleiche Protagonistin wieder, die sich unter Tokio eigentlich etwas ganz anderes vorgestellt hatte. Sie kam in diese Stadt, um sich ihrem Traum zu nähern. Sie wollte eigentlich nur Comics zeichnen, und nicht ihren Körper gierigen Japanern anbieten.

Der Traum von der großen weiten Welt wird aufgesogen von der die Seele schwer machenden Melancholie, die über der Stadt und zwischen den Menschen hängt. Tokio ist ein neonverseuchter Wahnsinn, wo das Leben im Zeitraffer tickt. Angela flüchtet sich vor der Anonymität in ihre eigene Welt. Realität und Fantasie verschwimmen, sie taucht aus der realen Welt in die ihres Manga-Comics ein. Dort spinnt sie die erlebte Gegenwart weiter und verliert sich in ihrer Geschichte, welche die Realität verwischt.

Dies macht die eigentlich simple Story dann doch noch schön. Denn mit den Comic-Strips, die Oberg in den Film einfließen lässt, schafft er auch auf der Leinwand diese zwei Welten; die von Angela und die vermeintlich echte Tokioter Welt. Obwohl physisch in Tokio, im Golden Gate Club, lebt Angela weit entfernt in ihrem eignen Mikrokosmos, in ihrem Comic, wo sie die Heldin ist. Mit diesen ineinander verschwimmenden Welten schafft Oberg ein Verwirrspiel, in welchem unklar bleibt, welche Welt die echte und welche die unechte ist; nicht zuletzt durch Chloé Winkel, die mit ihrem blassen, leeren Gesicht selbst wie eine Comicfigur agiert. Und es bleibt am Ende die Frage, ob „Stratosphere Girl“ einfach nur der Teenager-Traum (oder Obergs) von einem exotisch wilden Leben in der Metropole Tokio ist.



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INHALT

Angela (Chloé Winkler) ist 18 und zeichnet gerne Comics. Das Abitur in der Tasche, soll sie gleich am nächsten Montag in dem Steuerbüro ihres Onkels eine Ausbildung beginnen. Dazu hat sie keine Lust. Lieber möchte sie reisen, vorzugsweise nach Japan, der Mangas wegen. Als ihr auf der Abi-Feier der japanische DJ Yamamoto (Jon Yang) über den Weg läuft und sie sich zu ihm hingezogen fühlt, nimmt Angelas kleines Abenteuer seinen Lauf. Yamamoto gibt ihr die Adresse von einer schwedischen Bekannten, die in Tokio lebt. Dann geht alles ganz schnell. Wenige Stunden später sitzt Angela im Flieger. In Tokio angekommen findet sie Unterschlupf bei der Schwedin Monika (Tuva Novotny); gemeinsam mit ihr und drei anderen Mädchen teilt sie sich ein winziges Apartment mitten im Hexenkessel Tokio. Weil die Stadt teuer ist und ohne Job gar nichts läuft, versucht Angela wie ihre Mitbewohnerinnen ihr Glück als Hostess.
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