KRITIK

Stolz und Vorurteil

Stolz und Vorurteil
Jane Austen ist und bleibt nach Shakespeare die beständigste britische Filmstofflieferantin. Alles, was sie geschrieben hat, ist bereits verfilmt worden, Neues ist nicht mehr zu erwarten, aber die Geschichten um Sinn und Sinnlichkeit, Stolz und Vorurteil oder schlicht Geld und Liebe bergen offenbar derart zeitlose Qualitäten, dass sie immer wieder abgewandelt und dem jeweiligen Epochengeist angepasst erzählt werden können. Die schicksalsbeflissene Lady aus Hampshire inspirierte etwa erst jüngst mit „Stolz und Vorurteil“ das farbenfrohe Bollywood-Musical „Bride and Prejudice – Liebe lieber indisch“. Dem britischen Regisseur Joe Wright, der sich nun ebenfalls den romantischen Landlebensszenen aus „Pride and Prejudice“ widmet, ist hingegen nicht an Modernisierung gelegen. Er belässt die Schmachtstory im Kostüm des 18. Jahrhunderts und bebildert brav am Buch entlang.

Die Eheleute Bennet, gespielt von einer gepflegt hysterischen Brenda Blethyn und einem gütig-vermuffelten Donald Sutherland, haben fünf Töchter und keinen Sohn. Das Erbe würde nach geltendem Recht deshalb an den Cousin Mr. Collins fallen. Um die Kinder versorgt zu wissen, bleibt deshalb nur ein Ausweg: die Geldheirat. Weswegen Mrs. Bennet frohlockt, als der vermögende Mr. Bingley – 5000 Pfund pro Jahr schwer – in der Gegend antichambriert und tatsächlich ein Auge auf ihre älteste Tochter Jane wirft. Und weitere betuchte Junggesellen kommen in Bingleys Gefolge. Etwa der verschlossene Mr. Darcy (Matthew MacFayden), der doch für die schöne Elizabeth (Keira Knightley) in Frage käme. Doch zwischen den beiden entwickelt sich eine lodernde Hassliebe, bedroht von Irrungen und Wirrungen.

Das wortblitzende Gefühlsgefecht zwischen Darcy und Elizabeth ist hübsch anzusehen und anzuhören, und es verfehlt auch das Herz nicht, zumindest nicht das der sentimental Gestimmten. Die Inszenierung allerdings, die alle gesellschaftlichen Konflikte ausspart, wirkt dann doch nicht tiefer als ein schönes altes Gemälde, das über das Heute nicht viel zu sagen hat.



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INHALT

England, Ende des 18. Jahrhunderts: Familie Bennet freut sich über ihren neuen, in der höheren Gesellschaft anerkannten Nachbarn Mr. Bingley, den sich Mutter Bennet sogleich als Schwiegersohn und Gatten für eine ihrer fünf Töchter erhofft. Bingley verliebt sich auch prompt in die Älteste, aber auch die anderen vier sollen nicht lange allein bleiben...
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Eure Kritiken zu Stolz und Vorurteil

  1. Nina

    So schön…Stolz und Voruteil ist ein Film, der noch viel schöner ist als man erwartet. Die Irrungen und Wirrungen um Liebe und deren Missverständnisse könnten stundenlang so weitergehen. Zu eurer Kritik; der Film sei nicht aktuell genug: Muss er das denn sein? Ist es ein Kinobesuch nicht auch eimal wert, einfach nur genossen zu werden? Und ist dies nicht viel einfacher möglich, wenn der aktuelle Bezug fehlt?

  2. Christian

    Mit Superlativen solte man(n) nicht verschwenderisch umgehen. Dennoch sind hier Superlative angebracht. Regisseur Joe Wright bleibt nah an der lit. Vorlage. Seine Nacherzählung besticht durch gute Ideen, wie zum Beispiel die gute Kameraführung (viele lange Kamerafahrten) und eine eindringliche Charakterzeichnung. Keira Knightley ist hier sicherlich ein Glücksgriff. Neben der grandiosen Musik von Dario Marianelli und den wunderbaren Kamerafahrten besticht die Hauptdarstellerin mit ihrer einzigartig natürlichen Präsenz. Der Film könnte noch stundenlang weiterlaufen – märchenhaft!

  3. KaizerSoze

    Wunderschöner Film. Die Zeit und das Leben exakt umgesetzt. Natuerlich auch eine herausragende Keira Knightley – nicht verpassen!!

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