KRITIK

Stoker

Plakat zum Film StokerAls diese erste US-Produktion des koreanischen Regisseurs Park Chan-wook erstmals annonciert war, wurde heftig spekuliert: Stoker? Plante Park ein biografisches Drama über Bram Stoker, den „Dracula“-Autoren? Wagt sich der preisgekrönte Schöpfer visuell verwegener und oft Gewalt-umfluteter Rachedramen („Old Boy“) in viktorianische Gefilde? Und was ist mit dem undurchsichtigen Onkel Charlie, der im Film auftritt? Ist das eine Anspielung auf die gleichnamige Joseph-Cotten-Figur aus Hitchcocks „Shadow of a Doubt“?

Der fertige Film beantwortet all das mit einem entschiedenen „Jein“. Park bleibt seinem Stil trotz reduzierter Drastik treu, und auch wenn es weder um Stoker noch um Hitchcock geht, schwingen sie assoziativ doch deutlich mit – ebenso wie auch andere Meister des Morbiden, von David Lynch bis Roman Polanski. Der etwas flach psychologisierende Plot (von „Prison Break“-Schauspieler Wentworth Miller) stellt den schwermütigen Teenie India in den Mittelpunkt, toll gespielt von „Alice im Wunderland“-Star Mia Wasikowska.

Szene aus dem Film StokerIndias Vater starb soeben bei einem Unfall, schon nistet sich Onkel Charlie (verdächtig smart: Matthew Goode aus Woody Allens „Match Point“) im altmodischen Elternhaus ein und bezirzt die depressive Mutter (bewährt ätherisch: Nicole Kidman). Was führt er im Schilde? Bald verrutschen die Beziehungen, manifestiert sich erotische Spannung in makabren Dingsymbolen, bilden Stephen Kings „Carrie“, Hitchcocks „Psycho“, Stokers Vampire und eine Prise Horror-„Lolita“ eine schaurige, fast überstylte Melange mit Parks inszenatorischen Mitbringseln aus dem Korea-Kino.

So überzeugend abgründig wie Parks letztes Werk „Durst“ ist sein erster Hollywood-Ausflug dann aber doch nicht geraten – obwohl er dem ästhetisch stagnierenden US-Thrillerkino einen ordentlichen Beutel frisches Blut injiziert.

  



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