KRITIK

Steve Jobs (Zweite Meinung)

Bild (c) Universal Pictures Germany.

Bild (c) Universal Pictures Germany.

Seinen Produktpräsentationen, die Steve Jobs als quasi-religiöse Shows aufzog, folgten die Fans mit sektengleicher Ergriffenheit. Der Mann, der sich als Hohepriester und Popstar einer neuen Zeit inszenierte, starb 2011 an Krebs. Doch das Gesicht von Apple ist er geblieben: Grund genug für den Broadway-Autor Aaron Sorkin, sich nach „The Social Network“ (über „Facebook“-Chef Mark Zuckerberg) schon zum zweiten Mal gründungsmythologisch mit einem Tech-Visionär zu beschäftigen.

Wer ein konventionelles Biopic erwartet, sei vorgewarnt: Sorkin dampft Jobs’ Karriere auf drei Schlüsselszenen ein – es sind natürlich drei dieser erwähnten Präsentationen: 1984 (der erste Mac), 1988 (der NeXT) und 1998 (der erste iMac). Regisseur Danny Boyle („Slumdog Millionär„) vollzieht die Epochenwechsel technisch nach: Den Anfang filmt er auf grisseligem 16-mm-Film, den Mittelteil auf 35 mm. Der letzte Akt präsentiert sich dann in überscharfem Digitalbild.

Szene_Steve_Jobs_2Der geniale Einfall Sorkins ist es, die eigentlichen Produktpräsentationen auszublenden und lieber deren Vorlauf als dramatischen Backstage-Dreiakter zu gestalten. Die brillant-berüchtigten Schnellfeuerdialoge kennt man aus seiner Serie „The West Wing“. „Macbeth“ Michael Fassbender spielt Jobs glühend intensiv als Charismatiker, der sozial über Leichen geht. Wir sehen ihn im Clinch mit den Kollegen, etwa Apple-Entwickler Steve Wozniak (Seth Rogen), dem Jobs die Anerkennung verweigert, oder Apple-Vorstand John Sculley (Jeff Daniels), der Jobs nach dem ersten Mac-Flop feuert. Die Duelle mit Rogen und Daniels, die sich wie Fassbender auf Oscar-Kurs befinden, gehören zum Großartigsten, was Hollywood jüngst an Dialogkunst hören ließ – ein unkritisches Heiligendenkmal ist der Film definitiv nicht geworden.

Nah an einer Telenovela siedelt indes der Versuch, Jobs´ Leben zwischen Genie und Arschlochtum auch anhand seiner Exfreundin auszubuchstabieren – und am Beispiel der Tochter, deren Vaterschaft er lange bestritt. Wenn Jobs aber von sich selbst wie von einer Maschine spricht und meint, er sei „schlecht konstruiert“, fügt sich der Film zum je nach Ideologie beängstigenden oder bewundernswerten Bild eines in allen Belangen auf Optimierung ausgerichteten Menschen. Sehenswert.

 

 



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Eure Kritiken zu Steve Jobs (Zweite Meinung)

  1. Tine

    Grosser Film, Inszenierung, visuelle Umsetzung und an allererster Stelle Winslet und Fassbenders und Rogens Dialoge, habe jede Minute genossen.

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