KRITIK

Stepfather

Stepfather Mitunter schwappen Filme aus Übersee in die deutschen Lichtspielhäuser, die besser nie den US-amerikanischen Markt verlassen hätten. Alles wundern hilft nicht. Ärgerlich ist es nur für die vielen anderen talentierten Filmemacher, die sich zu Recht wundern dürfen, wie denn nur solch eine Rolle einschläfernd bespieltes Zelluloid zweifelhafter Güte einen Verleih hierzulande hat finden können. Doch zu spät. Vielleicht dachte sich gar ein verkühlter Verleihvertreter im Herbst, für das deutsche Publikum würde es schon reichen, einen Spielfilm mit einem bekannten TV-Gesicht aus einer erfolgreichen Serie zu besetzen. Ähnliche Milchmädchen-Rechnungen sind leider hierzulande schon viel zu oft aufgegangen.

Bei „Stepfather“ handelt es sich um das Remake einer Vorlage aus den 80er Jahren. Erzählt wird die Geschichte eines „Kuckucks-Killers“. Nicht die eines Mörders des bekannten Vogels wohlgemerkt, sondern die Story eines Psychopathen, der immer wieder in andere Identitäten schlüpft, alleinstehende Frauen mit Anhang umgarnt, bis sich diese in den vertrauenerweckenden und gutaussehenden Herren verlieben und mit ihm alsbald Bett, Tisch sowie Haus teilen. Bei seiner Eroberung hilft dem Verführer, dass er eine besonders rührselige Geschichte über den tragischen Verlust seiner eigenen Familie auf Lager hat. Halb aus Samariterkomplex und halb aus Torschlusspanik verlieben sich die gereiften Damen recht zügig in ihn. Eine Zeitlang lebt er gemeinsam mit der neuen Familie unter einem Dach, bis er – meist kurz bevor er enttarnt zu werden droht – die Familie kaltblütig umbringt und sich anschließend auf die Suche nach dem nächsten Nest macht.

Es gehört zur kollektiv-unterbewussten Bourgeoisie-Paranoia, die neben allerlei anderen Ängsten und Traumata die konservative US-Mittelschicht plagt: Der Unbekannte, der freundlich, vertrauenswürdig und charmant wirkt, schleicht sich in das Leben und mutiert plötzlich zum soziopathischen Killer. Zugegeben, die Szenerie, die der Kuckuck verlässt, ist grausig: Leblos liegen Körper herum, während sich der Täter noch in aller Ruhe einen Häppchen zu essen macht, bevor er den Ort seiner Bluttat verlässt. Diese Einstellung trieft vor bitterböser, makaberer Atmosphäre (welche die Macher vermutlich nicht mal willentlich im Sinn hatten). Und wer glaubt es ginge in diesem Stile weiter, liegt völlig falsch.

Zwei Drittel des Films sind reines „warming up“. Die Zeit wird damit verschwendet, zu skizzieren, wie man sich den amerikanischen Traum einer idealen Familie vorstellen darf. Zumindest so lange, bis der neue Stiefvater (endlich) beginnt, auszurasten. Vermutlich soll sich währenddessen die Spannung im Kopf kumulieren. Im letzten Abschnitt, das dem finalen Blutgericht gehört, ballen sich dann die wenigen kraftlose Schockmomente, die seltsamerweise eine nicht erhebliche unfreiwillige Komik bergen: Es hat schon gewisse parodistische Qualitäten, den Killer mit einer Handkreissäge bewaffnet zu erleben, wie er Hatz auf seine Opfer macht, diese aber ein ums andere Mal knapp verfehlt. Solchen Szenen wurden so oder so ähnlich auch schon einer Persiflage gesichtet.

Dieser Thriller läuft eindeutig mit angezogener Handbremse. Und trotz einiger „Nestbereinigungen“ kommt hier nie wirklich Atmosphäre auf. An den Schauspielern liegt das noch weniger, diese sind sichtlich bemüht, noch das Beste aus dem lahmen Plot herauszuholen. Dylan Walsch, den man sonst als Schönheitschirurg aus der Fernsehserie „Nip Tuck“ kennt, macht keine üble Figur als Killer, kann aber auch nur im Rahmen der vorgegebenen Storyline agieren. Und die ist kaum nennenswert nur kurz über dem Niveau eines durchschnittlichen TV-Thrillers angesiedelt.



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INHALT

Ein Jahr war Michael fort von zu Hause. Als er aus der Militärschule zurückkommt, stellt er fest, dass seine Mutter Susan inzwischen einen neuen Mann hat. So glücklich wie Susan auch ist, Michael traut seinem neuen Stiefvater David nicht über den Weg. Doch seine Warnungen werden von Mutter und Freundin als paranoide Hirngespinste abgetan. Michael jedoch lässt sich nicht beirren und sucht in Davids Vergangenheit nach Beweisen für seine Theorie, dass es dieser alles andere als gut mit seiner Familie meint.
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