KRITIK

Step Up 4: Miami Heat

Plkat zum Film Step Up 4Zunächst einige Fakten: Die Step Up-Reihe ist mit insgesamt etwa 400 Millionen Dollar Einspielergebnis aus den ersten drei Teilen die erfolgreichste Tanzfilmreihe aller Zeiten. Das Story-Gerüst aller bisherigen Teile ließ sich bisher auf die einfache Formel „Talentierte/r Tänzer/in aus unterprivilegierten Verhältnissen findet Halt in einer Streetdancer-Crew und wird am Ende gefeiert“ herunterbrechen. Der Plot war also meist vorhersehbar, Überraschungen blieben bisher aus. Einzig und allein die Art der Darstellung ließ noch Überraschungen zu, so wurde der dritte Teil der Reihe komplett in 3D aufgenommen, was nicht nur den Tanzszenen, sondern auch dem ganzen Film gut tat. Und weil er zudem mit einem weltweiten Einspiel von mehr als 160 Millionen Dollar als erfolgreichster Teil der Reihe gilt, war Teil 4 nur eine Frage der Zeit.

Nun trägt der deutsche Filmtitel erstmals einen Zusatz: „Miami Heat“ lautet der Titel des vierten Teils des Franchises. Auch eine Form, Eigenständigkeit zu beweisen. Im Originaltitel wird die Richtung etwas deutlicher: „Step Up Revolution“ kündigt bereits mit dem Filmtitel eine Grundüberholung der Reihe an. Die hat das Step Up-Universum auch bitter nötig, denn mit den bisher vorgestellten Sehnsüchten und Träumen konnte sich das Tanz-Imperium weiter von der Realität kaum mehr entfernen. Aber das will anscheinend der „revolutionäre“ vierte Teil auch gar nicht, ganz im Gegenteil. Zunächst einmal gibt er dem Affen ordentlich Zucker. Bereits mit der ersten Szene wird deutlich, wohin die Reise geht: Die Kamera begleitet auf Höhe der Kniekehlen eine junge DJane, die in der Hitze von Miami stilgerecht knapp bekleidet für die nötige Stimmung bei einem sehenswerten Flashmob sorgen wird. Und es geht so weiter: Fette Schlitten, Bikini-Pos, muskulöse Gangster wohin das Auge reicht, die virtuellen Welten der Spielindustrie haben nun sichtbar Einzug gehalten in einem Realfilm. Wer jetzt auf weitere Überhöhungen hoffte, konnte weiter frohlocken: Eine Underground Gruppierung namens „The Mob“ bringt illegal den Verkehr auf dem Ocean-Boulevard von Miami zum Erliegen, die anfangs vorgestellte DJane lässt die Beats aus einem Koffer „wummern“ und eine Horde junger Tänzerinnen und Tänzer erklärt den Ocean-Boulevard zur Tanzfläche. Eine Street-Performance in Reinkultur. Träume werden wahr.

Szene aus dem Film Step Up 4Die perfekte Inszenierung, die Choreographie, die Figuren des Films sind reine Erfüllungsgehilfen versteckter Sehnsüchte, Gesten der Coolness, von der Kleidung über die Sprache bis hin zur kleinsten Handbewegung der gestählten Körper. Anscheinend frei von jeglicher Anstrengung wurden den Gesichtern der Tänzerinnen und Tänzer in der Postproduktion ein derart perfekter Teint verpasst, dass sie Dank ihrer ohnehin vorhandenen Stereotypenkonformität zu lupenreinen Computerspielcharakteren mutieren. Sonne, Strand, gutaussehende Menschen, oberflächliche Schauwerte en Masse also. Wirkliche Probleme? Bislang Fehlanzeige.

Doch die Computeranimation will die Wende kriegen. Sie will zurück ins Hier und Jetzt. Mehr Bodenhaftung. Dafür sorgen die Charakterzeichnungen der Hauptdarsteller: Im Mittelpunkt steht Sean (Ryan Guzman), der in einem Nobel-Hotel am Strand von Miami als Kellner arbeitet, in seiner Freizeit aber der Anführer der Flash-Mob-Crew, kurz „The Mob“, ist. Mit ihren überraschenden Aufführungen haben sie schon mehrmals die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt. Verantwortlich dafür zeichnet Seans bester Freund, Eddy (Misha Gabriel Hamilton), der die Flashmobs plant wie einen Banküberfall. Szene aus dem Film Step Up 4Nun wollen sie jene 100.000 Dollar gewinnen, die für das Video mit den meisten Klicks bei YouTube ausgeschrieben sind. Während das Projekt „The Mob“ immer erfolgreicher wird, auch weil sich die Macher nicht zu erkennen geben und der virale Hype um „Who is The Mob“ zusehends zur Höchstform aufläuft, verliebt sich Sean ausgerechnet in Emily (Kathryn McCormick), in die Tochter jenes Mannes (Peter Gallagher), der vorhat aus ihrer „Neighborhood“ ein Büro- und Hotel-Viertel zu machen. Bald verliert die Jugendbewegung ihren Selbstzweck und die Aktionen werden zur Stimme des Protests – bei dem Sean und Emily zwischen die Fronten geraten.

Warum die Kinokarte für den vierten Teil dennoch lohnt, steckt in diesem Beweggrund der Crew: Aus ihren Flashmobs wird kreativer politischer Protest, ohne Gewalt. Kunst als Mittel zum Wohl einer Masse. Gespickt mit einer Prise „West Side Story“, atemberaubenden Performances bei den Flashmobs, sehenswerten Zeitlupen-Effekten in 3D gehört dieser vierte Teil in die Kategorie „einer der besten Tanzfilme aller Zeiten“ – Vorhersehbarkeit der Geschichte und oberflächliche Schauwerte zum Trotz.

  

 



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