KRITIK

State of Play – Stand der Dinge

State of Play - Stand der Dinge Die Geschichte beginnt mit einem Mord, aber ihr Thema ist ein großes Sterben ganz anderer Art. Kevin Macdonalds „State of Play“, dem Genre nach ein Politthriller, erzählt vom Niedergang des Zeitungswesens in den USA, von der Krise des klassischen Printmediums, die ja längst auch eine globale geworden ist.

Russell Crowe, der für Brad Pitt eingesprungen ist, spielt einen investigativen Reporter namens Cal McAffrey, der als wahrer Dinosaurier seiner Zunft für den fiktiven „Washington Globe“ schreibt. Cal fährt einen klapprigen Saab und benutzt einen uralten Computer, versinkt gerne mal im Zettel-Chaos seiner akribischen Recherchen und weiß, wie wichtig es sein kann, stets einen Kugelschreiber dabei zu haben. Alte Schule eben.

Die neue Zeit wird im Kontrast dazu von der jungen Online-Reporterin und Bloggerin des Blattes verkörpert, der ehrgeizigen Della Frye (Rachel McAdams). Eine Rivalität, die besonders mit Blick auf die amerikanischen Verhältnisse an Brisanz gewinnt, wo Blogger, siehe das Beispiel der „Huffington Post“, sich längst als politisch relevante Stimmen etabliert haben – anders als hierzulande.

Es ist indes eine der Qualitäten von Macdonalds Film, dass er McAffrey und Frye nicht gegeneinander ausspielt, sondern sie sich im Zuge einer gemeinsamen Recherche annähern dürfen, ohne gleich in die romantische Komödie zu verfallen.

Wie macht man eine seriöse Zeitung, womit erzielt man Auflage? Darüber wird viel gestritten in diesem Film, besonders zwischen Cal und der Chefredakteurin seiner Zeitung, Cameron Lynn, die Helen Mirren als verhärtete Unternehmerin im Spannungsfeld von Rendite- und Konkurrenzdruck spielt. Einmal soll der Reporter sich rechtfertigen, weshalb er einen zwielichtigen, sexskandalträchtigen Nebenaspekt der Verschwörung, der er auf der Spur ist, im Gegensatz zur „Post“ nicht herausgestellt habe. Deren Schlagzeile lautete: „Kellnerin tischt Schmutz auf.“

McAffrey verweist darauf, dass er den dubiosen Geschäften einer Firma nachspüre, die hier „PointCorp“ heißt und hinter der man das reale Vorbild „Blackwater“ durchschimmern sehen kann. PointCorp hat Geld mit Söldner-Einsätzen im Irak verdient und schickt sich an, die privatisierte Homeland-Security zu übernehmen. In den Augen des Boulevard-Verächters McAffrey ist das der wahre Scoop, die große Story.

„Die wahre Story“, entgegnet seine Chefin, „ist der Untergang dieser Zeitung.“ Regisseur Mcdonald und seine Autoren, darunter der „Michael Clayton“-Schöpfer Tony Gilroy, schreiben damit die Klassiker des Reportergenres, etwa Alan J. Pakulas Watergate-Thriller „Die Unbestechlichen“, in die prekäre Gegenwart fort.

Die Kriminal-Geschichte, die darum herum erzählt wird und die auf einer BBC-Miniserie basiert, erscheint dagegen fast irrelevant. Es geht, recht verwickelt, um eine Polit-Intrige, in die unter anderem der junge Abgeordnete Stephen Collins (Ben Affleck) verstrickt ist. Aber dass Politik ein schmutziges Geschäft ist, das wusste man bereits. Die Zeitungsbranche ist allemal interessanter.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Cal McCaffrey, altgedienter Reporter beim Washington Globe, untersucht einen Mordfall mit Drogenhintergrund, eine junge Online-Kollegin den Selbstmord einer Geliebten des Kongressabgeordneten Collins. Als die Fäden ihrer Ermittlungen zusammenlaufen, die Fälle eine Verbindung zeigen, kämpfen zwei Reportergenerationen gemeinsam gegen redaktionellen Zeitdruck und für die Wahrheit hinter einer Kongressanhörung, bei der die Zukunft eines militärischen Sicherheitsdienstes, aber auch von Cals Studienfreund Collins auf dem Spiel stehen.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu State of Play – Stand der Dinge

  1. Sneaker

    Ich habe den Film in einer Preview gesehen. Und ich muss sagen, dass hier wirklich alles überzeugt: Die Story, die Machart, die Darsteller, die Atmosphäre. Ei ´n wirklich rundum gelungener Film. Sollte mna sich ansehen.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*