KRITIK

Star Trek Beyond

Plakat_Star_Trek_BeyondEs braucht keinen Abschluss an der Akademie der Sternenflotte, um zu verstehen, warum Justin Lin die Brücke des neuen „Star Trek“-Films von J.J. Abrams übernommen hat. Lin, der als Regisseur von vier „Fast and Furious„-Filmen für viel Furore gesorgt hatte, ist ein wahrer Virtuose, wenn es darum geht, Vehikel durch Weiten zu katapultieren. Und so bietet auch seine Umsetzung von „Star Trek Beyond“ ein paar der spektakulärsten Szenen, die die Galaxie je gesehen hat. So zu sagen „on top“ gibt es zudem das heimliche „Wir sind ein Team“-Thema von „Fast and Furious„. Damit ist nicht die gemeinsame Zerstörungsorgie gemeint, sondern die Zusammenführung einer wilden Truppe bestehend aus multikulturellen Charakteren mit gewaltigen Egos, die das Ziel nur erreichen können, in dem sie als Team zusammenarbeiten.

Das Drehbuch von Simon Pegg und Doug Jung schleudert den Trekkie im Kinosaal und die Crew auf der Enterprise in eine zerklüftete Wildnis eines fremden Planeten. Auf diesem ist das Flaggschiff der Sternenflotte bruchgelandet, nachdem es von einem Schwarm metallischer Weltraumwespen zerlegt wurde. Jener Schwarm wurde kontrolliert von Krall (Idris Elba), einem Weltraumdiktator mit reptiloidem Antlitz, mit der Stimme eines afrikanischen Warlords und dem dazu passenden Habitus. Krall braucht Energie und diese erhält er dadurch, dass er im wahrsten Sinne des Wortes das Leben aus anderen Wesen heraussaugt. Derzeit jagt er einem Artefakt hinterher, ein uraltes, klickendes Etwas, welches sich an Bord der Enterprise befindet.

Left to right: Zachary Quinto plays Spock, Sofia Boutella plays Jaylah and Karl Urban plays Bones in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Left to right: Zachary Quinto plays Spock, Sofia Boutella plays Jaylah and Karl Urban plays Bones in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Warum und wofür er es braucht und was er damit Schreckliches anstellen wird, weiß niemand (und man wird es auch erst am Ende erfahren). Die Crew der Enterprise, versprengt auf dem gesamten Planeten, versucht nun einander wiederzufinden, um dann gemeinsam zurückzuschlagen. Kirk (Chris Pine) spielt das Ablenkungsmanöver und heizt mit einem Motorrad um das wäldliche Hauptquartier des Diktators. Was jemals an Biker-Image vorhanden war, wird bei Lin um ein Tausendfaches multipliziert. Zeitgleich verwickelt Jaylah (Sophie Boutella), ein leoninisches Alien mit einer Optik irgendwo zwischen Kiss und Darth Maul, den Schurken in ein Gefecht Mano-a-Mano und macht ihm mit Kung-Fu-Einlagen die Hölle heiß.

Diese Sequenz hat den bekannten Justin-Lin-Twist. Eine komplette Überdosis an rasanten Aktivitäten, die gewaltigen Druck macht. Auch hier ist „Star Trek Beyond“ ein bewusst breit aufgestellter Film mit einem netten Retro-Vibe: Kirk und Co sind mal wieder auf einem fremden Planeten gestrandet und müssen mit Cowboy-Attitüde irgendetwas Absurdes erledigen. So entsteht eine etwas behäbige, analoge Stase mit dem naiven Charme alter TV-Episoden. Wie die Serie unterhält auch der Film „Star Trek Beyond“ mit und durch einen illustren Cast, der den Anschein alter Freunde erweckt.

Dennoch kann nicht jeder neue Star Trek Film den Warpdrive neu erfinden. Abrams hat dies einmal geschafft und das mit Brillanz. Dank ihm wurde eine Crew mit akkuratem Auge für innere und äußere Qualitäten zusammengestellt, die förmlich danach verlangt mehr und mehr Einzelszenen zu bekommen. Von diesem Zusammenspiel und von diesem Verlangen profitiert „Star Trek Beyond“ massiv. Aber, mit Blick auf die Dimension der alten „Star Trek“-Reihe, war es den neuen Verantwortlichen ein sichtliches Anliegen, Grenzen zu berühren und sie sogar zu durchstoßen, um aus neuen Zuschauern weitere lebenslange Anhänger zu machen. Genau das versuchte Abrams mit seinen beiden Vorgängern. Im ersten gelang es ihm, im zweiten nicht so ganz.

Das erneute Spiel mit tiefer Star Trek-Mythologie entglitt ihm ein wenig, wurde aber dank Benedict Cumberbatch als junger Khan noch immer in eine sinistre, kosmische Achterbahnfahrt verwandelt.

Left to right: Anton Yelchin plays Chekov, Chris Pine plays Kirk and John Cho plays Sulu in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Left to right: Anton Yelchin plays Chekov, Chris Pine plays Kirk and John Cho plays Sulu in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Somit wäre es passender, dem neuen „Star Trek“-Abenteuer eine neue, heimische Geborgenheit zu zusprechen. Es ist eben alles sehr bekannt, altmodisch fast, es liegt kein Mysterium in der Struktur. Grund dafür ist der Umstand, dass „Star Trek Beyond“ einfach nur ein guter Actionfilm (mit typisch dünnem Plot) ist, der ins Weltall verlegt wurde. Neue Grenzen werden so kaum ins Phaservisier genommen. Dafür hat der Zuschauer aber eine Menge Zeit, mit all den Charakteren abzuhängen, die ihm (und ihr) zu Recht ans Herz gewachsen sind.

Spock (Zachary Quinto) und Bones (Karl Urban) kommen sich Dank ihrer Antipathie näher. Scotty (Simon Pegg) versucht, mit seiner nerdigen Wieseligkeit bei Jaylah zu punkten, während die außerirdische Dominatrix ihn standhaft als „Montgomery Scotty“ anspricht. Der kürzlich unter tragischen Umständen verstorbene Anton Yelchin liefert in jeder Szene diesen wunderbar absurden Chekov ab, der vielen Fans vor wenigen Jahren schnell ans Herz gewachsen ist. Grade seine Performance, die Kombination aus völlig überzogen akzentuierten Worten und beinahe aus dem Kopf tretenden Augen, spiegelt eine Leidenschaft wider, die exemplarisch ist für die Crew am Set und an Bord der Enterprise. Darüber hinaus aber sind es aber maximal Überreste der Sternenflotte, eine federaler Außenposten, irgendwo zwischen Apple-Store und „Elysium„, und die dort fieberhaft ausgetragene und inszenierte Endschlacht, die in Erinnerung bleiben.

Alles andere wird zu Recht kosmischem Vergessen anheim fallen. Das „Star Trek“-Universum dient nur als Schmier- und Antriebsmittel. Kirk und Spock haben mal wieder ihre privaten, existentiellen Zusammenbrüche. Dem einen wird der Alltag zu alltäglich und dem anderen seine eventuelle kommende Aufgabe zu bewusst. Alles dreht sich, alles bewegt sich und kommt nicht von der Stelle. Was aber sein Gutes hat, denn somit ist klar: Diese Bande von Querköpfen wird wieder zusammenkommen und irgendwann irgendwo in den unendlichen Weiten des Alls, wieder dort wo noch kein anderer Mensch und Film zuvor gewesen ist, einem megalomanisch veranlagtem Wirrkopf das Handwerk legen. Bis dahin muss „Star Trek Beyond“ als Platzhalter fungieren.

 

 

Kritikerspiegel Star Trek Beyond



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Julius Zunker
kinofans.com, mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 

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Eure Kritiken zu Star Trek Beyond

  1. Große Filme brauchen große Szenen. Szenen, die auf den Schulhöfen oder auf dem Uni-Campus nacherzählt werden (können). Auch Star Trek Beyond hat mehrere große Szenen. Das sollte man nicht verschweigen. Zum Beispiel, wenn der junge James T. Kirk auf einem alten Motorrad (auf dem fremden Planeten) seine Runden dreht, um die Wachen abzulenken. Oder wenn die junge Kämpferin Jaylah (Sofia Botella) ein Musikstück für den Rekorder auswählt, um der Schwarm-Intelligenz der Antagonisten ein Schnippchen zu schlagen. Unwissend entscheidet sie sich für ein Stück der Beastie Boys, nennt es „Wummern und Schreien“, die Crew der Enterprise kämpft ums Überleben, Gitarren erklingen: „Iiiiii can´t stand it, I know you planned it…!“ Ein Gänsehaut-Moment. Und eine große Szene …

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