DVD / BLU-RAY TIPP

Stand Up Guys

„Nobody messes with these guys. These are the type of guys that take your kidneys out and not even sell them.“ – Was kann man noch tun, wenn man einst im Leben gesündigt hat und zwecks Buße den unausweichlichen Weg zu einem fatalistischem Ende beschreiten muss? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich Regisseur Fisher Stevens („Henrie und Julie“) in seiner 2012er Actionkomödie „Standup Guys“. Herausgekommen ist dabei eine launige Mischung aus Til Schweigers Buddy-Komödie „Knocking on heavens door“, Steven Soderberghs „Oceans Eleven“-Gaunerei und „Brügge sehen und sterben“.

Launig deshalb, auch weil hochkarätige, mittlerweile in die Jahre gekommene, aber immer noch charismatische Darsteller wie Christopher Walken („Batman Returns“) und Al Pacino („Heat“, „Der Pate“) mit von der Partie sind. Und diese ihr Image im Action und Thriller-Genre mal so richtig schön auf die Schippe nehmen dürfen.

Aber wie schon im Fall der aktuellen US-amerikanischen Kinokomödie „Taffe Mädels“ von Regisseur Paul Feig fehlt es Fisher Stevens Buddy-Dramödie „Stand Up Guys“ vor allem an einem intelligentem Drehbuch. Ein Script, das sich außer mit hin- und wieder pointierten, zu oft wiederholenden Potenzproblemen, 5-fachen Restaurant und 3-fachen Bordellbesuchen am Ende wirklich einmal mit den Problemen des Älterwerdens beschäftigt.

Probleme, zu denen nicht nur die Sorgen um die eigene Verwandtschaft zählen, die im Falle des eigenen Ablebens alles erbt. Vergesslichkeit, Schmerzen, Einsamkeit, Isolation und Gebrechlichkeit sind auch in Gesellschaftsschichten fernab allen noblen Bürgertums eigentlich Themen, die weitaus tiefgründiger behandelt werden können, als es in „Stand Up Guys“ der Fall ist. Wie zum Beispiel ein nicht uncharmanter, gentlemanlike Tanz von Darsteller Al Pacino, der als Charmeur der alten Schule noch weiß, wie Frauen wirklich zu behandeln sind. Eine schöne Szene, für die man an dieser Stelle seinen Respekt zollen muss.

„Stand Up Guys“ fehlt es neben der sich dahinziehenden thematischen Philosophie um Schuld und Sühne an einer genauen Ausleuchtung der Vergangenheit mittels spannender Rückblenden, welche dem Publikum die Tragik erläutert, warum jemand wie Val (Al Pacino) überhaupt in der Klemme sitzt. Gegenspieler Claphands (Mark Margolis) taucht ebenso ohne einen wirklichen Bezug zu den in „Stand Up Guys“ einfach unmotiviert plötzlich auf. Er erfährt über die gesamte Laufzeit keinerlei Entwicklung und verkommt in Fisher Stevens Inszenierung bis zum unausweichlichem Showdown zu einem eindimensionalem Racheengel.

Nein: nur den schwarzen Anzug mit aller grandiosen Lässigkeit anzuziehen, um es den „Bösen Jungs“ noch einmal richtig zu zeigen, auch nachts, wenn diese zur Abwechslung mal einen Baseballschläger zwischen die Genitalien verdient haben, zeugt in der zu zerfaserten und episodenhaft wirkenden Inszenierung am Ende noch lange nicht von einer genialen Regie-Idee.

Man spürt über die komplette Laufzeit von 99 Minuten, das den Machern hinter „Stand Up Guys“ viele Ideen gefehlt haben, um eine wirklich überzeugende Geschichte mit ausreichend vielen, abwechslungsreich inszenierten Actionmomenten erzählen zu können. Lediglich Alan Arkin („Grudge Match“)  darf in „Stand Up Guys“ zur Abwechslung einmal auf das Gaspedal eines „entliehenen“ 180 PS Zylinders treten, um wenigstens ein bisschen Schwung in die charmante, aber eingerostet wirkende und mit Zauselbart und unbeholfenen Bewegungen manchmal unfreiwillig komisch wirkende  Darsteller-Riege von Fisher Stevens zu bringen, welche sich mit ihren Problemen eines auszuschaltenden Widersachers und dazugehörigen, teils nuschelig wirkenden Dialogen sehr oft im eigenem, für das Publikum stark eingeschränktem Wirkungsradius bewegt. Und zwar so lange, bis es kurz vor Schluss selbstverständlich noch einmal richtig sentimental wird und sich Fisher Stevens Regie in ihrer Schwerfälligkeit und Redundanz dann bereits zügig erschöpft hat. Diese blutleere Actionkomödie namens „Stand Up Guys“ sollte man am besten ganz schnell wieder vergessen.

 



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