KRITIK

Stadtlandliebe

Bild (c) 2016 Warner Bros. Germany / NFP.

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Was kann ein Film mit dem Titel „Stadtlandliebe“ schon anderes sein als eine Provinzklamotte? Schnelle Antwort: Nichts anderes. Das Drehbuch-Trio Conni Lubek, Marco Kreuzpaintner und Hendrik Hölzemann erzählt arg konventionell die Geschichte der Städter Anna und Sam, die auf dem Land ihr Glück suchen. Leider wird dabei jedes subversive Potenzial (man erinnere an Detlev Bucks „Wir können auch anders“) verschenkt.

Worum geht´s? Herzchirurgin Anna (Jessica Schwarz) und Werbe-Hipster Sam (Tom Beck) gehören zu den Leistungsträgern vom Prenzlauer Berg. Inklusive Elektromobil und veganer Ernährung. Doch der Burnout lugt schon um die Ecke. Das realisiert Anna, als sie erst im OP-Saal merkt, dass ihre eigene Mutter auf dem Operationstisch liegt. Und Sam würde lieber einen Roman schreiben, als Windelwerbung zu betexten. Also folgt das Vorzeigepaar einer Bewegung, die seit Jahren zahlreiche gestresste Großstädter erfasst, raus aus dem Moloch und rauf aufs Land. Für Berliner heißt das: Brandenburg. Dort, nach dem Einzug in ein schmuckes Fachwerkhäuschen im winzigen Kloppendorf, müssen Anna und Sam erleben, was schon anderen Stadtflüchtigen die Neuanfangslaune verhagelte: Statt Gemüse aus dem eigenen Garten, dekoriert auf Terrakotta-Terrassen in „Landlust„-Magazin-Optik, erwarten sie Schweinemist, Insekten und, am schlimmsten, … Dörfler.

Szene_StadtLandLiebeDiese sind in „StadtLandLiebe“ der Knackpunkt, denn Regisseur Marco Kreuzpaintner („Sommersturm“) lässt seinen bislang schwächsten Kinofilm unglücklich in zwei Richtungen streben. Einerseits zeichnet er mit den aufdringlichen Dorfbewohnern ein skurriles bis bedrohliches Typenpanoptikum, das mit besseren Dialogen und deutlich weniger Hang zum Flachwitz das ideale Personal für eine scharfe Provinzsatire hätte abgeben können, andererseits lässt er sein Protagonistenpaar dann doch nur die ausgetretenen Pfade herkömmlicher TV-Beziehungskomödien abschlurfen. Sie will ein Kind, er nicht. Und dann am Ende doch.

Die letztlich arg konventionelle Klamotte verheizt viele Darsteller, die man immer gerne sieht (von Anna Thalbach über Antoine Monot Jr. bis Sebastian Urzendowsky), und verschenkt jedes subversive Potenzial. Auch harmoniert die in ernsteren Filmen grundsätzlich stärkere Jessica Schwarz („Das Lied in mir„) nicht optimal mit „Alarm für Cobra 11“-Macho Tom Beck. Immerhin: Uwe Ochsenknecht als penetrant jovialer Dörfler hat ein paar starke Momente. Das reicht aber längst nicht für 82 Minuten. Nein, besser auslassen!

 

 

 

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