KRITIK

Staat gegen Fritz Bauer, Der

Bild (c) Alamode Filmverleih.

Bild (c) Alamode Filmverleih.

Im „Labyrinth des Schweigens“ von Giulio Ricciarelli (2014) tauchte er jüngst, gespielt von Gert Voss, schon einmal auf: der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der Mann, der Ende der 1950er Jahre die Auschwitz-Prozesse mitinitiierte und maßgeblich für die Ergreifung des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann verantwortlich war. Regisseur Lars Kraume stellt den „General“ in den Mittelpunkt eines packenden Zeitgeschichtsdramas, das sich vor allem auf die Eichmann-Jagd konzentriert.

Gut rüber kommt die muffige Atmosphäre der vom Wirtschaftswunder berauschten Adenauer-Republik (Produktions-Design: Cora Pratz), in der nicht nur die Ex-Nazis im Justiz- und Kriminalapparat, sondern weite Teile der Bevölkerung an der Vertuschung eigener Verstrickungen arbeiteten und jemand wie Bauer, homosexueller Jude und Sozialdemokrat, ein Außenseiter bleiben musste. Burghart Klaußner verwandelt sich Bauer optisch kongenial an. Er zeigt ihn als eigenbrötlerischen, nicht etwa strahlenden Helden, der im Kampf um Aufklärung nur dem jungen Kollegen Angermann (Ronald Zehrfeld, „Phoenix„) traut.

Die Heimatlosen / Fritz Bauer (AT) Regie: Lars Kraume Kamera: Jens Harant Produktion: zero one film GmbH Co-Produktion: TERZ Filmproduktions GmbH Szene 051 Staatsanwaltschaft ? Davor/Hof Bauer wartet auf Angermann und vereinbart ein Treffen. abgeb.: Fritz Bauer (Burghart Klaußner), Karl Angermann (Ronald Zehrfeld) Foto:  Martin Valentin MenkeDoch trotz aller darstellerischen Virtuosität krankt der Film am generellen Hang des deutschen Historienkinos zur mimetischen Korrektheit: Detailversessenheit ist da wichtiger als ein eigener Zugriff aufs Sujet. Das rückt „Der Staat gegen Fritz Bauer“ öfter als nötig ungut in Richtung eines braven Schulfernsehens. Etwas von dem Mut seiner Hauptfigur hätte Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume in diesem Fall gut gebrauchen können.

 

 

Kritikerspiegel Der Staat gegen Fritz Bauer



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, WAZ, etc.
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Durchschnitt
7.5/10 ★★★★★★★½☆☆ 


Noten zu weiteren aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel Oktober.

 



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Deutschland 1957. Während die junge Bundesrepublik die NS-Zeit hinter sich lassen will, kämpft ein Mann unermüdlich dafür, die Täter im eigenen Land vor Gericht zu stellen: Zwölf Jahre nach Kriegsende erhält der kompromisslose Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Burghart Klaußner) den entscheidenden Hinweis darauf, wo sich der frühere SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann versteckt halten soll. Gemeinsam mit dem jungen Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld) beginnt Bauer, die Hintergründe zu recherchieren. Doch es formiert sich Widerstand bis in die höchsten Kreise: In seiner eigenen Behörde verschwinden immer wieder Akten und auch Oberstaatsanwalt Ulrich Kreidler (Sebastian Blomberg) und BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt (Jörg Schüttauf) behindern den unliebsamen Bauer in seinen Ermittlungen. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen unsichtbare Gegner beginnt, doch Bauer und Angermann geben nicht auf, wohl wissend, dass ihnen die Jagd auf Eichmann sowohl beruflich als auch privat alles abverlangen wird. (Text: Alamode Filmverleih)
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*