KRITIK

St. Vincent

Bild (c) 2014 Sony Pictures.

Bild (c) 2014 Sony Pictures.

Mit „St. Vincent“ kommt eine Komödie in die Kinos, die völlig auf Murray zugeschnitten ist und ihn in einer jener wunderbaren Griesgramparts präsentiert, die er seit „Die Geister, die ich rief“, „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Lost in Translation“ mit nonchalantem Selbstbewusstsein aus dem Ärmel schütteln kann. Zuvor musste der Bill-Murray-Fan nehmen, was er kriegen konnte, selbst wenn er den Meister der melancholisch grundierten Grantler-Komik inzwischen meist nur in schwach geschriebenen Neben- („Monuments Men“) oder schönen Cameo-Auftritten („The Grand Budapest Hotel„) erleben durfte. Zumindest lässt seine Schauspielkunst es so aussehen.

Vincent McKenna, den Murray hier verkörpert, ist allerdings nicht ganz so heilig, wie es der Titel suggeriert: Abgebrannt und endgenervt vegetiert er in einem verlotterten Haus in Brooklyn vor sich hin, als Refugien dienen ihm der Tresen seiner Stammkneipe und das Bett einer netten russischen Stripperin – eine Klischeerolle, die Naomi Watts so umwerfend spielt, dass man ihr fast den Auftritt als „Diana“ verzeihen möchte.

Szene_St_Vincent_SonyDann zieht nebenan die alleinerziehende Krankenschwester Maggie ein. Noch eine Überraschung „Brautalarm“-Krawallkomikerin Melissa McCarthy spielt so zurückgenommen wie nie. Aus Zeitnot bezahlt sie ihren dubiosen Nachbarn fortan dafür, den Babysitter ihres elfjährigen Sohnes Oliver (Entdeckung: Jaeden Lieber­her) zu spielen. Eine gewagte Entscheidung, nimmt Vincent den Knirps doch lieber mit in die Bar oder auf die Pferderennbahn, anstatt ihn bei den Schulaufgaben zu beaufsichtigen.

Bis hierhin ist „St. Vincent“ irre witzig. Leider nordet der bislang kaum bekannte Regisseur Theodore Melfi seinen Film dann immer weiter ein. Dem mürrischen Misanthropen wird plötzlich ein melodramatisches Geheimnis angedichtet, und in dem Maße, wie der Alte zum Mentor des in der Schule gemobbten Jungen wird, lockt Oliver in arg vorhersehbarer „About a Boy“-Manier die verschütteten Emotionen Vincents hervor. Dem Antihelden geht das „Anti“ flöten, aus dem Lotterlump wird der Titelheilige.

Das ist schade, denn der Film degradiert sich selbst zur sentimental gefärbten Routinekomödie. Bill Murray spielt das natürlich trotzdem völlig ungerührt zu Ende.

 




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