KRITIK

Splice

Splice Der Hybride ist die Kunstform des 21. Jahrhunderts. Auf nichts eindeutig festgelegt, versucht er – in ökonomischem Sinn – die maximale Wertschöpfung zu erreichen, indem er unterschiedliche, zuvor als nicht vereinbar gedachte Zielgruppen anspricht. In ästhetischer Hinsicht öffnet er die herkömmlichen Sichtweisen durch die Nutzung altbekannter Darstellungsweisen in unerwarteten Kontexten. Das Zitat und die Hommage sind seine liebsten Verwandten, Ironie und manchmal auch Selbstironie seine hervorstechendste Eigenschaft. Und „Splice“ ist sein Film, ein Arthouse-Science-Fiction-Horrorfilm mit moralisch-ethischem Fragenkomplex und Splatterelementen.

Oscargewinner Adrien Brody und Indie-Darling Sarah Polley verkörpern ein ehrgeiziges Wissenschaftlerpaar, das die Genforschung immer noch einen Schritt weiterdenkt. Nach der Kreuzung verschiedener tierischer DNA-Stränge erschaffen sie unter Zuhilfenahme menschlicher DNA ein Mischwesen aus Frau und diversen tierischen Einflüssen – und nennen sie Dren (ihr Labor firmiert unter dem Namen Nerd…). Drens Entwicklung vollzieht sich atemberaubend schnell – was nur gut für das Tempo des Films ist – und reift zu einer sehr weiblichen, mysteriösen, latent gefährlichen Kreatur heran. Anders allerdings als der auf den ersten Blick eng verwandte Film „Species“, der irgendwann nur noch seinem eigenen Bodycount hinterher hechelte, mutiert „Splice“ bald zu einem bizarren Beziehungsdrama mit Freud’schen Untertönen. Das Forscherpaar reagiert kaum mehr kühl wissenschaftlich auf ihr „Baby“, sondern höchst emotional, teils wie echte Eltern, teils irrational angezogen von der fremdartigen Exaltation.

„Splice“ bewegt sich dabei permanent auf einem sehr schmalen Grat – zwischen effekthaschendem B-Movie und ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Genforschungsdiskurs, zwischen dem Bodyhorror eines David Cronenberg sowie vom Elektrakomplex befeuerten Familiendramen – wackelt einige Male bedenklich auf seinem dünnen Hochseil, hält aber bis zum konsequenten Ende eine furchterregende, phantasievolle, sehr unterhaltsame Balance. Die Special Effects sind von beeindruckend schlichter Brillanz, das Mischwesen Dren eine verstörend menschliche Kreatur mit ausgeprägt tierischen Instinkten und die sie umgebenden Menschen letztlich die wahren Monster. Fürwahr keine neue Erkenntnis, aber nach wie vor hochaktuell und bedenkenswert.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Den beiden genialen Chemikern Clive und Elsa, auch privat ein Paar, gelingt im Zuge ihrer Genforschungen das Undenkbare: Die Erschaffung eines geklonten, menschen-ähnlichen Hybrid-Wesens. Eigentlich ein guter Grund zum Feiern, doch Gefahr droht, nicht nur von legaler Seite. Ihr geheimer Schützling entwickelt sich schneller und ganz anders als erwartet, so dass die beiden Wissenschaftler irgendwann nur noch um ihr Leben kämpfen können…
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*