KRITIK

Southpaw

Bild (c) 2015 Tobis Film.

Bild (c) 2015 Tobis Film.

Durch seinen letzten Film „Nightcrawler“ geisterte Jake Gyllenhaal zuletzt noch körperlich beängstigend ausgemergelt. Für das Boxerdrama „Southpaw“ pumpte er seinen Körper nun monströs auf. Streng auf Oscar-Kurs! Weitflächig tätowiert, kämpft er sich hier mit einem beachtlichen Sixpack durch blutige Boxszenen, danach schleppt er sich mitunter wie ein auch psychisch ramponiertes Unfallopfer durchs Bild. Keine Frage, der 34-Jährige befindet sich damit auf Academy-Kurs. Bei Robert de Niro – in „Wie ein wilder Stier“ – hatte das damals ja auch geklappt.

Nur ist im Gegensatz zu Scorsese und de Niro bei Antoine Fuqua und Gyllenhaal der Hauptdarsteller das größte Ereignis, der Film läuft um ihn herum, überzeugt nur begrenzt. Seine Figur, ein Boxer mit dem symbolischen Namen Billy Hope, durchläuft die üblichen Stationen von Aufstieg und Fall und erneutem Aufstieg. Als Linkshänder und Rechtsausleger (Fachbegriff: „Southpaw“) glänzt das ehemalige Waisenkind mit Nehmerqualitäten, die den Gegner mürbe und anfällig für den Knock-Out machen.

Szene_southpawSeine solidarische, aber ums Familienheil besorgte Ehefrau (Rachel McAdams, „Midnight in Paris„) bittet ihn, mit dem Kämpfen aufzuhören, doch bevor es dazu kommt, wirft eine Tragödie alle aus der Bahn. Als Billy das Sorgerecht für seine Tochter verliert, ist er ganz unten angekommen. Erst der trunksüchtige Trainer Tick (Forest Whitaker, „Der letzte König von Schottland„) baut ihn wieder auf.

Trotz dieses bleiern stereotypen Handlungsablaufs ist der Film nicht reizlos, was vor allem an den Boxszenen liegt, die „Training Day“-Regisseur und Ex-Boxer Antoine Fuqua kompetent und effektiv choreografiert, aber auch an einigen Zwischentönen, die das aus anderen Boxdramen bekannte Männlichkeitsgewese hinterfragen und „Southpaw“ eine Melancholie verleihen, die gut anschließbar ist an Gyllenhaal und sein Image. Das Boxer-Drama „Southpaw“ funktioniert also immer dann am besten, wenn man am schematischen Plot gezielt vorbeischaut.

 

 

 



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Eure Kritiken zu Southpaw

  1. cineast

    Billy Hope ist Weltmeister im Halbschwergewicht und hat gerade seinen Titel zum vierten Mal verteidigt. Er hat alles, eine tolle Familie und Reichtum. Bis seiner geliebten Ehefrau eines Tages ein tragisches Unglück widerfährt und verstirbt. Dadurch gerät Billy völlig aus den Fugen, Hope beginnt zu trinken und wird drogenabhängig. Er verliert seinen Titel, sein Vermögen und schließlich auch noch das Sorgerecht für seine 10-jährige Tochter. Doch er gibt nicht auf und wendet sich an den Trainer Tick Willis, der ihm wieder zu altem Glanz verhelfen soll. Willis hat dabei eine Idee, wie sie es schaffen können, den Halbschwergewichtstitel zurückzugewinnen: Er trainiert Billy um, vom Links- zum Rechtsausleger. In Las Vegas kommt es letztlich zum Duell mit dem amtierenden Champion Miguel Escobar. [Southpaw = Rechtsausleger]
    Auch wenn hier wieder das typische Boxerfilm-Klischee abgespielt wird – Boxer aus armen Verhältnissen kämpft sich an die Spitze, verliert alles wieder, kämpft sich wieder erfolgreich zurück – ist dieser Streifen sehr gelungen. Das lag weniger am Drehbuch und der Regie, sondern vielmehr an den guten Darstellern.

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