KRITIK

Sommer der Gaukler

Plakat zum Film Sommer der GauklerEmanuel Schikaneder schrieb 1791 das Libretto zu Mozarts „Zauberflöte“. Der bayrische Dichter-Schauspieler hat den Komponisten also nachweislich kennengelernt. Die Vorgeschichte erzählt dieses weitere Stück Neo-Heimatkino von Marcus H. Rosenmüller (dessen „Sommer in Orange“ dieses Jahr auch schon lief): Schikaneder kennt Mozart noch nicht. Mit seiner verkrachten Theatertruppe hat Emanuel Schikaneder zunächst keine Aufführungsgenehmigung für Salzburg bekommen; fürs erste sind sie in einem Bergdorf nahe der Grenze gestrandet. Während der Träumer an seinem „Weltentheater“ herumdoktert, dessen Uraufführung am Ende auch Mozart sehen wird, geht es buchstäblich drunter und drüber – mit Intrigen, Revolten und Amouren.

Im Bergdorf geht die Gaudi los – Der Star der Truppe (Burgschauspieler Nicholas Ofczarek) zickt, einer von ihnen steigt der Wirtstochter nach, ein naiver Dörfler wird zum Anführer eines Bergarbeiteraufstands. Mittendrin: Schikaneder samt Gattin. Max von Thun und Lisa Potthoff geben dem Affen schamlos Zucker. Die anderen auch. Was Rosenmüller da treibt, ist Volkstheater, serviert auf handwerklich hohem Niveau.

Szene aus dem Film Sommer der GauklerWer Albernheiten in Mundart schätzt, wer auch dumpfe Schlüpfrigkeiten in Sketch-Länge ausgespielt sehen mag und nicht abwinkt, wenn bald hektische Betriebsamkeit eine sinnvolle Auflösung der Geschichte ersetzt, der darf sich das getrost ansehen – ohne sich dabei zu ärgern. Weniger Genügsame könnten rappelig werden, schon weil viele reizvolle Möglichkeiten fürs Spiel mit Theater und Wirklichkeit leichtfertig verjuxt werden. Mozart aber, war ja klar, der ist am Ende begeistert.

  

Kritikerspiegel: Sommer der Gaukler



Christian Gertz
nadann... Wochenschau; mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
5.5/10 ★★★★★½☆☆☆☆ 




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INHALT

Das Trauerspiel über Agnes Bernauer, die Geliebte des bayerischen Herzogs Alb-recht III., ist der große Erfolg der Schauspielertruppe rund um das Ehepaar Emanuel (MAX VON THUN) und Eleonore Schikaneder (LISA MARIA POTTHOFF). Mit dem Theaterstück touren die Darsteller durch die Lande, immer kurz vor dem Bankrott, immer in der Hoffnung auf den großen Durchbruch. Der ständige Geldmangel, die kargen Lebensumstände und spärlichen finanziellen Mittel begünstigen den Zwist innerhalb des Ensembles. Wallerschenk (NICHOLAS OFCZAREK) will sich endgültig von der Truppe trennen. Doch dem charismatischen Schikaneder und seiner charmanten Gattin gelingt ein ums andere Mal mit einem Trick den wichtigen Kollegen zu halten. Schließlich hofft auch er auf den großen Durchbruch, den sich alle von einem Auftritt in Salzburg und vor den Augen Mozarts erhoffen. Wallerschenk verspricht, die Truppe nicht zu verlassen, bis Mozart ihn auf der Bühne gesehen hat.
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