KRITIK

Somewhere

Somewhere Die Luxus-Ödnis prominenter Menschen, in diesen Fall: Ein Hollywood-Star. Will man das sehen? Schauspieler und Königinnen auf Sinnsuche? Man ist gewillt zu sagen: Nein! Sollte man nicht spöttisch „Heult doch!“ rufen und sich dringlicheren Themen zuwenden?

Sofia Coppola aber, Tochter des großen Francis Ford, schafft es immer wieder, mit genau diesen gelangweilten Celebrity-Figuren tief berührende Filme zu drehen. Was in „Lost in Translation“ ein alternder Mime und die Freundin eines Promi-Fotografen durchlitten und in „Marie Antoinette“ eine Regentin im Luxusrausch, bürdet sie diesmal einem erfolgreichen Actionfilm-Star auf: Fremdheitsgefühle im eigenen Leben. In ruhigem Tempo und mitunter provozierend statischen Einstellungen skizziert Coppola das ganz gewöhnliche Star-Dasein dieses Enddreißigers Johnny Marco, gespielt von Stephen Dorff („Public Enemies“).

Der lebt im legendären Promihotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard und vertreibt sich die Zeit zwischen seinen Drehs mit PR-Terminen, Playstation-Zockerei und One Night Stands.Immer wieder findet Coppola schlagende Bilder für Marcos Ennui: wie er im Ferrari auf einsamer Rennstrecke Runden dreht, bei trostlosen Callgirl-Shows im eigenen Hotelzimmer wegschlummert oder allein und mit vollständig eingegipstem Kopf im Make-Up-Atelier eines Studios ausharren muss. Da möchte man nicht tauschen.

Recht spät erst im Film wird dieser Skizze ein neues Element hinzugefügt: Marcos elfjährige, sonst bei ihrer Mutter lebenden Tochter (toll: Elle Fanning), auf die er eine Weile aufpassen soll. Er nimmt sie mit auf groteske Promo-Reisen (Film-PR in Berlusconis Italien), lässt sie in Hollywood bei sich wohnen, bis sich beide nahe kommen – ohne dass es allerdings zum sentimentalen Durchbruch oder therapeutischem Happy End kommen würde.

Ein Funke Erkenntnis ist Trost genug im Einsamkeitskosmos der Sofia Coppola, und „Somewhere“, präzise und in seiner Unspektakularität spektakulär inszeniert, ist ihr neuer interessanter Wurf. Sehenswert.



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INHALT

Der italoamerikanische Schauspieler Johnny Marco lebt in einer Suite des berühmten Hotels Chateau Marmont am Sunset Boulevard. Er lässt Poletänzerinnen in sein Zimmer kommen, hat bei jeder Gelegenheit Sex, bei dem er schon mal einschläft. Da soll er mehrere Tage auf seine elfjährige Tochter Cleo aufpassen. Sie begleitet ihn nach Mailand, er spielt mit ihr und ihm wird langsam bewusst, dass ihn das Leben, das er führt, nicht ausfüllt.
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