KRITIK

Solas

Solas Benito Zambranos Regiedebüt „Solas“ untersucht Zerfall und Rekonstruktion der spanischen Patchwork-Familie. Kein Wunder, dass der Vater erst ins Krankenhaus muss, um die Mutter-Tochter-Beziehung ein wenig wiederherzustellen; kein Wunder, dass die Straßen und Häuser in Marias Lebenswelt trist und verbraucht sind, die Männer untreu oder nur an „dem einen“ interessiert; kein Wunder, dass Marias Mutter (fast) immer in warmen Lichttönen erscheint, auch wenn ihre Tochter sie mit Verachtung straft, wenn sie von ihrem Mann beschimpft wird.
Natürlich denkt man/frau bei der stämmigen Maria Galiana an eine typische Mutter (aus einem Dorf) und nicht zu Unrecht hat sie für ihre Rolle einige Darstellerpreise eingeheimst: etwas hilflos im anonymen Großstadtdschungel, aber um so tatkräftiger bei der konkreten Lebensverbesserung (Pflegen, Stricken, Verschönern…). Auch die Veränderung ihrer einsamen und jähzornigen Tochter ist nachvollziehbar, ihre Gefühlsstimmung meist gut in Szene gesetzt.
Der alte Mann, der beide Frauen mit seiner respektvollen und optimistischen Art becircen kann und sich sogar als Adoptivgroßvater ausgibt, hat auch seine Schwachstellen und eine traurige Vergangenheit. Vielleicht idealisiert der Film zu sehr ein dörfliches Ideal trotz der Kritik am Machismo, aber seine vielfältigen und poetisch bebilderten Blicke auf die Einsamkeiten sind unbedingt sehenswert. Rainer Bach



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INHALT

Die verbitterte, 35-jährige Maria lebt in einer kahlen Vorstadtwohnung von Sevilla. Was ihr das Leben als Putzfrau nicht bietet, flößt ihr der Alkohol ein. Sie bestiehlt den Barbesitzer, der ihr freundlich gesonnen und zugleich erotisch interessiert daherkommt. Dabei ist sie schon von ihrem Beischläfer, einem Machomann an Lastkraftwagenfahrer, schwanger.
Als sie "das Ding" nicht wegmachen lassen will, obwohl es umsonst ist, trennen sich die beiden, da sie eine ernsthafte, "richtige" Beziehung will, er aber nur Sex. In dieser Situation taucht ihre Mutter Rosa auf, deren eifersüchtiger Mann und Haustyrann im Krankenhaus in der Stadt liegt. Mehr als schlagen und schimpfen konnte er nicht, weder der Ehefrau noch der Kinder gegenüber. Dass Rosa es trotzdem so lange und scheinbar liebevoll bei ihm auf dem Dorf ausgehalten hat und aushält, ist erstaunlich.
Auch für den 80jährigen Nachbarn von Maria, der ihre Mutter zufällig kennen und lieben lernt. Der Witwer lebt nur mit seinem Hund zusammen und freut sich über jeden Kontakt mit Menschen. So wie die Mutter durch ein paar Blumen wieder Leben in die Wohnung von Maria bringt, so glimmt auch ihre Sympathie zu dem alten Kauz auf. Und wäre da nicht der schnell genesende Gatte, könnte die Geschichte eine gute Wendung nehmen.
Nur muss die Mutter leider zurück ins Dorf. Da taucht auf einmal der alte "Beinahelover" ihrer Mutter vor Marias Wohnung auf und riecht, wie ihr Kaffee anbrennt...
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