KRITIK

So ist Paris

So ist Paris Knapp zwölf Jahre ist es her, da hatte der französische Regisseur Cédric Klapisch die Welt mit einem der schönsten „kleinen“ Paris-Porträts beschenkt: „Und jeder sucht sein Kätzchen“ beschrieb eine Haustiersuche im (damals) unglamourösen 20. Arrondissement. Jetzt reicht Klapisch, mittlerweile durch die „L’auberge espagnole“-Filme zur Programmkino-Berühmtheit avanciert, das passende „große“ Paris-Porträt nach. „So ist Paris“ heißt im Original nur „Paris“, und damit ist das Prinzip klar: Die französische Hauptstadt, so mythen- und klischeebeladen sie ist, spielt hier die wahre Hauptrolle.

Ihre verschiedenen Stadtviertel mit unterschiedlichen sozialen Milieus fungieren als Bindeglieder zwischen den einzelnen Geschicht(ch)en, die Klapisch hier an-, aber nie auserzählt. Ein Tänzer („Auberge“-Bewohner Romain Duris) ist (fast) unheilbar herzkrank. Seine Schwester (ganz ungeschminkt: Juliette Binoche), eine allein erziehende Sozialbeamtin, hat Liebesfrust. Ein Geschichtsprofessor (großartig: Fabrice Luchini aus „Intime Fremde“) hadert mit seinem Beruf und belästigt eine schöne Studentin mit Baudelaire-geschwängerten SMS.

Es gibt leutselige Marktverkäufer, rassistische Bäckersfrauen, einen sensiblen Architekten, einen Migranten aus Kamerun und andere mehr. Manchmal treffen sich welche von ihnen, nicht aller Leben wird sich verändern, trotz Liebe und trotz Tod. Klapisch setzt den Zuschauer mal in dieser, mal in jener Geschichte ab, macht ihn durch eine fließende, gleitende Rhythmisierung gleichsam zum Flaneur durch ein sehr facettenreiches Paris, bei dem in Sachen Kulisse natürlich trotzdem kaum eine Sehenswürdigkeit ausgelassen wird.

„So ist Paris“ ist damit weniger ein Episodenfilm als vielmehr das französische Pendant zu Robert Altmans Ensemblewerken geworden: „Short Cuts“ am Montmartre. Dass dabei einzelne Charaktere, einzelne Handlungsstränge stärker sind als andere, muss man dabei in Kauf nehmen. Unterhaltsam bleibt dieser Reigen sowieso.

Einschränkend sei aber erwähnt, dass die deutsche Synchronfassung – wie so oft bei französischen Filmen – uncharmant dürftig ausgefallen ist.



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INHALT

Ein Tänzer aus dem Moulin Rouge kann nur eine Herztransplantation vor dem sicheren Tod retten. Seine Schwester kümmert sich rührend um ihn. Ein schon etwas in die Jahre gekommener, nörgelnder Uniprofessor ist immer noch auf der Jagd nach einer jungen Studentin. Ein Gemüsehändler und ein illegaler Einwanderer haben ihre eigenen Problemen mit der Liebe.
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Eure Kritiken zu So ist Paris

  1. Nat74

    Ein schöner Film.. Auch Dank der hervorragenden Darsteller. Allen voran Juliette Binoche. Da lohnt sich die Eintrittskarte allein wegen ihr. IN Short Cuts – Marnier lernt der Kinobesucher die Stadt Paris kennen – Eine Liebeserklärung an die Stadt. Und eine sehenswerte noch dazu.

  2. Critiker

    Ein sehenswerter Film. Paris ist eine tolle Filmmetropole und die französischen Darsteller immer auf Top-Niveau. Auch dieser Monmatre-Reigen lohnt sich.

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