KRITIK

So glücklich war ich noch nie

So glücklich war ich noch nie In bald jedem zweiten deutschsprachigen Film scheint Devid Striesow („Die Fälscher“) inzwischen aufzutauchen. Aber diese Rolle hier in „So glücklich war ich noch nie“, die muss dem Theaterprofi besonders viel Freude bereitet haben. Liegen nicht Schauspielerei und Hochstapelei zumindest im technischen Sinn nah beieinander?

Großartig wie immer spielt Striesow also Frank, einen jungen Mann, der nicht anders kann, als sich der stilbewussten Betrügerei hinzugeben – ein Drang in ihm zieht ihn, so scheints, zu Höherem, doch warum sich dieses Höhere erst erarbeiten, wenn bereits der Schein genügt?

Gleich in der ersten Szene scharwenzelt er mit umgehängtem Kaschmirpulli wie ein reiches Reedersöhnchen durch eine Nobelboutique – doch, weil er eine schöne Frau bezirzen will, patzt er und landet im Knast. Jahre später wird er von seinem Bruder (Jörg Schüttauf) und dessen Frau aufgenommen. Er soll sich mit Ein-Euro-Jobs rehabilitieren, doch dieser Drang ist stärker. Bald kassiert er etwa als falscher Makler die Courtagen der Leichtgläubigen, bis erneut jene Frau vom Anfang, eine von Nadja Uhl gespielte Prostituierte, das Scheinkonstrukt ins Wanken bringt.

Regisseur Alexander Adolph hat mit „Die Hochstapler“ schon einen sehenswerten Dokumentarfilm zum Thema gedreht; sein Spielfilmdebüt geriet ihm inszenatorisch eher fernsehspielhaft-bieder. Doch Striesows Performance als innerlich zerrissener Zwangsbetrüger hält den Film bis zum nachdenklichen Schluss fest zusammen: Wie er in Windeseile vom naiven Putzmann zum großspurigen Businessprofi wechselt, mit Puffmutter (kurios: Elisabeth Trissenaar) und windigen Geschäftsleuten (köstlich: Thorsten Merten) sein Spielchen treibt, das ist ein Lehrstück in Sachen Verstellungskunst. Auch in Sachen Schauspielerei.



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INHALT

Gerade aus der Haft entlassen, sucht Betrüger Frank Unterschlupf bei seinem grundehrlichen Bruder. Sein Versuch, rechtschaffen in einer Putzkolonne Geld zu verdienen, scheitert bald. Er trifft die Frau, eine Prostituierte, wieder, die ihn damals mehr zufällig in den Knast brachte. Er stellt ihr nach und verliebt sich in sie. Die Bordellbesitzerin schickt ihm Schläger auf den Hals. Die nehmen sich versehentlich seinen Bruder vor. Frank posiert als Makler, um ordentlich abzukassieren und die Geliebte freizukaufen.
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