KRITIK

Simpsons – Der Film, Die

Simpsons - Der Film, Die Die Herausforderung für den Film und seine Macher ist enorm. Allen voran für den Vater der gelben Sippe, Matt Groening. 87 Minuten Simpsons auf der Leinwand steigen mit der schweren Hypothek von über 20 Jahren und mehr als 400 Folgen Simpsons im TV in den Ring. Wie leicht können Kinogänger und die riesige Fangemeinde überzeugt werden? Was auf der Leinwand passiert, kann sich nahtlos einreihen in die (Erfolgs-)Geschichte der weltweit erfolgreichsten Zeichentrickserie.

Der Plot kommt einem vielleicht aus vielen Folgen bekannt vor: Homer, getrieben von Faulheit, Einfältigkeit und dem Hunger auf Donuts, bringt durch das unbedachten Entsorgen eines Auffangbehälters für Schweinekot eine Handlungskette in Gang, die schließlich beinahe zur Vernichtung der Kleinstadt Springfield führt. Dass dabei zwischendurch US- Präsident (!) Arnold Schwarzenegger und Schauspieler Tom Hanks als Helfer der drohenden Apokalypse in Erscheinung treten, dürfte jeden Fan der gelben Familie ebenso freuen, wie der Gastauftritt der Punkrocker von Green Day, die lautstark gegen Umweltverschmutzung wettern.

Doch wer die Bewohner der amerikanischen Vorzeigekleinstadt kennt, der weiß, dass ein solcher Appell, außer bei der kleinen Lisa, ungehört verhallen wird. Neben den Gaststars finden sich auch die meisten der bekannten und weniger bekannten Nebenrollen aus der Serie wieder, treten jedoch größtenteils nur sehr kurz in Erscheinung. Der Rowdy Nelsons darf sein charakteristisches Lachen über einen entblößten Bart ausschütten, der schrullige Atomkraftwerkbesitzer Charles Montgomery Burns die Hunde auf einige Bittsteller (Dr. Hibbert, Apu, Chief Wiggum) loslassen und sogar Barts ehemaliger Elefant Stampfi kann seiner Vorliebe, Dinge mit dem Kopf zu rammen, nachkommen. Hier wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen, wenn man nicht ganz Springfield zu versammeln versucht, sondern weniger Charaktere mit etwas umfangreicheren Auftritten versehen hätte.

Fast alle Gags des Films zünden und neben den mittlerweile ja nicht nur bei den Simpsons, sondern im gesamten Animationsgenre obligatorischen Verweisen auf die Film- und Fernsehwelt (unter anderem eine absolut gelungen Anspielung auf das Zombiefilm- Genre), nimmt der Streifen ebenfalls Elemente der Serie und nicht zuletzt sich selbst auf die Schippe. Die vertraute Schultafel, an der Bart seine Strafarbeit erledigt, mahnt dazu, keine Filme illegal herunter zu laden und das schwarze Brett vor Reverend Lovejoys Kirche erinnert den Kinogänger noch einmal daran, sein Handy auszuschalten. Homer selbst allerdings rückt das Weltbild wieder gerade und bekennt, dass Kino nur rausgeschmissenes Geld ist, weil man sich den Kram besser zu Hause anschauen kann.

Herrlich anzuschauen ist ebenfalls die von Groening inszenierte und gerne gepflegte Ablehnung gegenüber der heilen Welt der Disney- Produktionen und deren Figuren. Großäugige Waldtiere werden erschütterte Zeugen, wenn Homer und Marge sich ihren Trieben hingeben. Auch die beliebten Running Gags kommen nicht zu kurz: Obwohl ein Springfield im US- Bundesstaat Vermont die Ehre der Filmpremiere hatte, bleibt der tatsächliche Standort der Kleinstadt weiter ungeklärt. Man erfährt lediglich, dass der Heimatstaat an Ohio, Kentucky, Maine und Nevada grenzt – eine geographische Unmöglichkeit.

Allerdings wird der Film auch manchen Kritikern, die meinen, dass die Simpsons im Laufe der Zeit immer flacher geworden seien, Wasser in die Mühlen gießen. Zwar gibt es, wie oben angedeutet, eine Vielzahl subtiler Humorelemente, Passagenweise kommt „Die Simpsons – Der Film“ aber doch recht Slapsticklastig daher. Stürze, Schläge, Tritte und Unfälle aller Art dominieren in manchen Szenen und ein kleiner, gelber Penis mag in den USA ein Aufreger und irgendwie frech sein, hierzulande fühlt man sich jedoch ein wenig peinlich berührt und an Brachialhumor a la „Werner“ erinnert. Dass dem Ganzen jedoch ein anatomisches Versteckspiel, wie man es aus Austin Powers kennt vorangegangen ist, kann vielleicht stellvertretend für das gesamte Werk gesehen werden. Es ist eben ein guter Mix aus vielen bekannten Elementen der Serie: Zoten, Intertextualität, Selbstreferenzen, Wortspiele, Running Gags und Slapstick verknüpfen sich zu einem gelungenen Ganzen und bleiben dem Stil der Simpsons 100%ig treu. So hat man am Ende, wenn der Vorhang schließt, das Gefühl, gerade eine aufge“pumpte“ Folge der Erfolgsserie gesehen zu haben. Wer an Homer und Co. bisher seinen Spaß hatte, wird daher sicher auch am Simpsons- Film gefallen finden – alle anderen aber auch.

Noch ein kleiner Tipp: Nicht gleich aus dem Kino stürmen, um die besten Szenen noch einmal Revue passieren zu lassen, sondern ruhig den Abspann abwarten!



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INHALT

Es ist nicht gut bestellt um den Umweltschutz in Springfield. Als Homer im See vor den Stadttoren das Fass buchstäblich zum Überlaufen bringt, schreitet die Regierung ein: Springfield wird unter einer gewaltigen Glasglocke hermetisch versiegelt. Von einem Lynchmob gejagt, gelingt den Simpsons die Flucht nach Alaska. Doch dann rührt sich das schlechte Gewissen und Homer eilt zur Rettung.
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Eure Kritiken zu Simpsons – Der Film, Die

  1. BastiFantasti

    Bin ein ganz grosser Fan der Serie. Ich war sehr gespannt auf die Verfilmung. Und meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen! Der Charme der Serie ging nicht verloren das ganze team hat eine meisterliche Leistung gezeigt. Hoffentlich gibt es einen zweiten Teil!!!

  2. Sarge

    Was für ein geiler Film. Nicht nur eine langgesztreckte S-Episode sondern viel mehr. Ein wahrer toller Kinofilm.

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