KRITIK

Silence

Zuletzt war Meisterregisseur Martin Scorsese mit dem „Wolf of Wall Street“ in der koksberauschten Finanzbranche unterwegs, drei Jahre darauf legte er einen spirituell interessierten Historienfilm vor: „Silence“ entführt die Zuschauer ins Japan des 17. Jahrhunderts, in die Edo-Ära, als Aus- und Einreise ins Inselreich verboten waren und das Bekenntnis zum Christentum unter Strafe stand. Zwei portugiesische Jesuitenpater machen sich dorthin auf, um ihren verschollenen Mentor zu finden. Bei ihrer Reise durchs karge, nebelumwaberte Westjapan treffen Rodrigues (Andrew Garfield, „Hacksaw Ridge“) und Garupe (Adam Driver, „Paterson„) auf japanische Christen und auf Samurais, die sie im Auftrag des Shoguns vom Glauben abbringen wollen – per Folter.

Kameramann Rodrigo Prieto schwelgt in (Oscar-nominierten) Landschaftsaufnahmen, doch Scorsese unterbricht sie immer wieder mit heftiger Gewalt, die den unbeugsamen, durchaus fanatischen Missionar Rodrigues lange kalt lässt, bis er ins Zweifeln gerät: Nimmt er für seine eigene Standhaftigkeit das Leid seiner Glaubensgenossen in Kauf? Das Treffen mit dem offiziell vom Glauben abgefallenen Pater Ferreira (Liam Neeson) kreist um die Frage, ob Spiritualität notwendigerweise von Symbolen abhängt – und ob er nicht im Inneren, im titelgebenden Schweigen, gedeihen kann.

Scorsese hat schon öfter religiöse Themen bearbeitet, doch so elegisch wie in dieser Reise ins „Herz der Finsternis“ war er dabei noch nie. Mit ihrer durchaus strapaziösen Lauflänge von 160 Minuten und den sehr barschen Figuren dürfte sich diese dritte Verfilmung eines Romans des japanischen Katholiken Shusaku Endo für manche Zuschauer wie ein Exerzitium anfühlen – die behandelten Fragen um Spiritualität, Fundamentalismus und Toleranz sind allerdings brandaktuell. Sehenswert.

 

Kritikerspiegel Silence



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Durchschnitt
8.5/10 ★★★★★★★★½☆ 



Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du im monatlichen Kritikerspiegel.

 

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