KRITIK

Sieben Leben

Sieben Leben In Hollywood gelten ein paar goldene Regeln. Eine davon lautet, dass man Erfolg niemals voraussagen kann. Allerdings gibt es mittlerweile eine kleine Einschränkung. Wie kürzlich ein amerikanischer Journalist schrieb, wisse man über die Zukunft im Filmgeschäft zwar weiterhin nichts Genaues. Bloß dass jeder Film mit Will Smith ein Hit werde, das sei sicher. Womit wir gleich wieder auf die ewigen Rätsel zurückgeworfen wären. Wie hat es jemand mit so durchschnittlichem Talent zum Box-Office-König gebracht?

Vermutlich wird auch „Sieben Leben“ den Höhenflug des Will Smith nicht stoppen. Obschon der Film eigentlich nur unentwegt an bessere Vorbilder erinnert, auch, was die schauspielerische Leistung betrifft. An die selbstzerstörerische Wucht etwa, mit der ein Christian Bale seinen traumatisierten Tagwandler in „Der Maschinist“ verkörpert hat, reicht Smith in keiner Szene heran.

Auch er gibt in „Sieben Leben“ einen Mann, der schuldig geworden und darüber aus der Spur geraten ist – damit verrät man nicht zu viel. Regisseur Gabriele Muccino legt seine Karten von Beginn an offen auf den Tisch, bloß um sie im Folgenden mit großer Geheimnis-Geste ein bisschen zu mischen. Die verschobene Chronologie der Ereignisse ändert jedoch nichts daran, dass man es hier mit einer durch und durch konventionellen Erzählung zu tun hat.

Smith spielt den Steuereintreiber Ben Thomas, der eine Liste mit sieben Namen abarbeitet, sämtlich Menschen, denen er Gutes tun will. Ein Organ spenden zum Beispiel. Im Zuge dieser Altruisten-Tour lernt er die Kardiologie-Patientin Emily (Rosario Dawson) kennen, in die er sich verliebt. Doch wird er es wagen, ihr sein Herz zu öffnen?
Regisseur Muccino, der mit Smith bereits die sentimentale Obdachlosen-Erfolgsstory „Das Streben nach Glück“ inszeniert hat, kreuzt dabei ziellos durch die Genres: ein bisschen Krimi, ein bisschen romantische Komödie, viel Melodrama. Und jede Szene ist ganz auf den Hauptdarsteller zugeschnitten, der sich erkennbar zu viel vorgenommen hat. Überambitioniert wirkt auch das Drehbuch, das ein Dutzend moralphilosophischer Fragen aufwirft, bloß um schließlich die simpelste Auge-um-Auge-Herz-um-Herz-Sühne aufzutischen.



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INHALT

Ben Thomas ist an einem Wendepunkt angelangt und versucht, seinem Leben wieder einen Sinn zu geben. Deshalb hat er einen Plan ersonnen und sieben Fremde ausgewählt, um ihnen Hoffnung zu schenken. Alle benötigen dringend Hilfe - finanziell, spirituell oder medizinisch. So auch Herzpatientin Emily Posa. Kaum widmet sich Ben ihr, entdeckt er unerwartet die Liebe neu. Denn Emily durchbricht seine aufgebauten Barrieren.
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Eure Kritiken zu Sieben Leben

  1. Udo

    Will Smith ist wohl zur Zeit der erfolgversprechendste Hollywood-Schauspieler, was den „Zuschauer pro Leinwand“ Quotienten betrifft. Doch immer öfter sucht er sich (auch als Produzent) in letzter Zeit Melodramen aus, die sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen sollen. Leider ist Mister Smith kein guter Schauspieler und seine Schauspielerfilme eben keine guten Filme. Diese Gefühlsschmonzette ging mir nach etwa 60 Minuten Spielzeit gehörig auf den Senkel. Das war schon bei seinem letzten Melodram „Streben nach Glück“ so. Hier ist er also der Gutmensch. Bitte. Für mich war das kein Film für anspruchvolle Kinounterhaltung.

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