KRITIK

Shine A Light

Shine A Light Dies sei wohl der erste Martin-Scorsese-Film, witzelte Mick Jagger während der diesjährigen Berlinale, wo „Shine a Light“ als Eröffnungsfilm lief, in dem nicht der Rolling-Stones-Hit „Gimme Shelter“ zu hören wäre. In nahezu allen Scorsese-Werken, von „Mean Streets“ bis „The Departed“, bestimmen die Stones den Soundtrack, ja überhaupt die Stimmung des Films.

Und als Fan hat Marty, wie ihn die Ebenbürtigen nennen, auch „Shine a Light“ inszeniert, eine Konzertdokumentation, die aus zwei Auftritten der Band im New Yorker Beacon Theatre anno 2006 montiert wurde. Es gibt darin keine aktuellen Interviews mit Jagger, Richards und Kollegen, nur ein paar Archiv-Bilder, unter anderem vom beinahe noch minderjährigen Mick, der da gefragt wird, ob er sich denn vorstellen könne, auch noch mit 60 auf der Bühne zu stehen. „Ja natürlich“, lautet die Antwort.

Ansonsten konzentriert sich Scorsese ganz auf die Musik. Zu Beginn, ein schöner Einstieg, erlebt man den Regisseur am Rande des Nervenzusammenbruchs, weil die Band ihn partout nicht wissen lassen will, mit welchem Song sie das Konzert eröffnen wird. Was das für einen bekennenden Kontroll-Freak wie Scorsese bedeutete, wenngleich ihm so ziemlich jeder renommierte Kameramann Hollywoods zur Seite stand, kann man sich ungefähr vorstellen. Es ist dann „Jumpin Jack Flash“, und vom ersten Moment an zieht nicht nur die ungebrochen energetische Rolling-Stones-Show in den Bann, sondern vor allem die unstillbare Neugier, mit der Scorsese und seine Leute diesen von Jahrzehnten des Rock `n` Roll zerfurchten Gesichtern nahe rücken. Sein „obskures Objekt der Begierde“, nennt der Regisseur die Stones, und das lässt er uns spüren.

„Shine a Light“ ist dennoch kein distanzloser Film. Sicher, an Scorseses eigenes Meisterwerk „The Last Waltz“ reicht er nicht heran, aber er zeitigt herrliche Momente abseits der Kulissen: Wenn etwa die ehemals bösen Buben ergeben darauf warten, Hillary Clintons Mutter die Hand zu schütteln.



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INHALT

Sie sind die heißesten Kandidaten für den Titel "berühmteste Rockband der Welt": Die Rolling Stones, gegründet 1962 und die dienstältesten Rocker unseres Planeten. Im Herbst 2006 geben sie zwei Konzerte im New Yorker Beacon Theatre. Die Combo beweist in der nahezu intimen Atmosphäre des alten Theaters erneut, warum sie als Legende gilt. Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts spielen vor begeistertem Publikum - darunter auch Prominente wie Hilary und Bill Clinton - ihre Welthits ebenso wie unbekanntere Songs.
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Eure Kritiken zu Shine A Light

  1. Wolle

    Die Stones live, durch Scorsese ein großes Erlebnis. Näher geht fast nicht.

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