KRITIK

She A Chinese

She A Chinese Die USA und China sind heute die wichtigsten Mächte des Planeten. In vielen Branchen liegen sie längst nahezu gleichauf. Nur in der Filmindustrie gibt es (noch) große Unterschiede. Während amerikanische Blockbuster wie „Avatar“ für volle Kinosäle in China sorgen, läuft es für einheimische Produktionen schlecht. Das jüngste Beispiel ist der Zweikampf der beiden Großproduktionen „Avatar“ und „Konfuzius“, den James Camerons 3-D Opus klar für sich entschied. „Avatar“ ist schon jetzt der erfolgreichste Film aller Zeiten in China.

Die chinesische Filmkontrollbehörde hätte lieber andere Zahlen veröffentlicht. Sie verbannte den amerikanischen Film jüngst kurzerhand aus allen Kinosälen, auch um die einheimischen Produktionen zu fördern. Nur will das chinesische Publikum diese nicht sehen. In Zukunft wird sie Filme mit Millionensummen (allein 23 Millionen US-Dollar für „Konfuzius“) unterstützen. Doch nur die, die „einen erzieherischen Charakter“ haben. Die 1974 in einem kleinen Dorf in China geborene Filmemacherin und Schriftstellerin Guo Xiaolu hat darauf keine Lust, wie sie in vielen Interviews immer wieder betont. „Ich will die Personen so beschreiben, wie sie tatsächlich in China leben, mit all ihren Sorgen und Ängsten“.

Dass Xiaolu mehrere Wochen auf eine Drehgenehmigung warten musste und schließlich die Staatsmächte austrickste, indem sie den Film mit einer Digitalkamera drehte, um diesen dann auf einer Festplatte außer Landes schmuggeln zu können, sieht man dem Film an. Ihr Stil ist, bedingt durch diese „ungünstigen“ Voraussetzungen, sehr dogmatisch. Wie einst die skandinavischen Regisseure der „Dogma“-Bewegung in den 90ern, verzichtet Xiaolu auf künstliches Licht, Kamerawagen oder zuviel Maske.

Zusammen mit der episodenhaften, nicht immer heiteren Geschichte der jungen Mei klingt das nach einem anstrengenden Film, und das ist „She, A Chinese“ auch. Doch die Figur, die auch ein wenig angelehnt ist an die eigene Biografie der Filmemacherin, steht in erster Linie für eine ganze Generation junger Chinesen. Und dass unter diesen schwierigen Voraussetzungen, unter denen der Film entstanden ist, ein Film die Zuschauer dennoch fesseln kann, liegt nicht nur an der authentischen Geschichte oder dem rockigen Soundtrack von Komponist und Produzent John Parish (The Eels, P.J. Harvey), sondern vor allem an den kleinen Lichtblicken, die hier jeder Zuschauer selbst erkennen muss; und nicht zuletzt auch am bösen Sinn für Humor sowie an dem guten Gespür für´s Timing der jungen Regisseurin. Ein Film, der ohne Zweifel aus tiefstem Herzen kommt.



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INHALT

Mei lebt in einem kleinen Dorf unweit der Dreimillionenstadt Chong qing. In der Nähe einer Imbissbude kümmert sie sich um mehrere Billardtische. Ständig streitet sie sich mit ihrer Mutter, nur widerwillig hilft sie dem Vater, der auf einer Müllhalde nach brauchbaren Gegenständen sucht. Gelangweilt vom Leben geht eines Tages plötzlich alles sehr schnell. Mei will raus, wird von einem Lkw-Fahrer vergewaltigt und nimmt in der Großstadt einen Job als Näherin in einer großen Fabrik an, um kurz darauf wieder entlassen zu werden. Kaum hat sie sich in einen zwielichtigen Gangster namens Spikey verliebt, bricht er, tödlich verletzt, in ihren Armen zusammen. „An easy trip to London“ verspricht ein Reklameschild, und schon ist Mei in der nächsten Szene mit Spikeys verstecktem Geld in England angelangt. Aber hier ist das Leben nicht besser als anderswo, Meis Schicksal wird weiterhin von den Männern bestimmt, die sie kennen lernt. Sie heiratet zum Schein einen pensionierten Mathematiklehrer. Nach kurzer Zeit beginnt sie, gelangweilt vom Ehealltag, eine Affäre mit dem indischen Einwanderer Rashid.
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