KRITIK

Shandurai und der Klavierspieler

Shandurai und der Klavierspieler
Shandurai (Thandie Newton) lebt in einem diktatorisch regierten afrikanischen Land, wo die alten Weisen unter mächtigen Bäumen sitzen und markerschütternde Klagelieder anstimmen. Als ihr Mann wegen seines politischen Engagements gefangen genommen wird, flieht sie nach Rom. Um den Lebensunterhalt zu verdienen, putzt sie das Haus des Pianisten Mr. Kinsky (David Thewlis), eines dekadenten Bonvivants, der sich aus heiterem Himmel in Shandurai verliebt und sie mit einem Heiratsantrag überfällt. Obschon die wortkarge Shandurai von der Plötzlichkeit des Geständnisses verängstigt ist, findet sie doch Gefallen an dem Klavierspieler, und als ihr Mann aus der Haft entlassen wird, muss sie sich entscheiden.

Der große Bernardo Bertolucci hat diese kühle Liebes-Etüde bereits 1998 nach einer Kurzgeschichte von James Lasdun entwickelt, noch vor seiner Dreierballade „Die Träumer“ also. Ursprünglich war der Film fürs Fernsehen konzipiert. Was man den elegischen Bildern von stummer Begierde zwar kaum ansieht, doch mehr als eine leicht gelangweilt wirkende Stilübung hat der Schöpfer solcher Klassiker wie „Der letzte Tango in Paris“ hier nicht zustande gebracht. Er lässt die Kamera Zeitlupen zelebrieren und sich auf Close-Ups der fremd bleibenden Gesichter stürzen, er zerlegt das Geschehen in Jump-Cuts und verzichtet weitgehend auf Dialoge, aber all das verstärkt nur den überkünstlichen, gefühlsentrückten Charakter dieser schwarzweißen Obsession, die sich da zu europäischen Klavierklängen und afrikanischen Trommelrhythmen in einer Atmosphäre des gepflegten Ennui behaupten soll und doch zu keiner Sekunde spürbar wird.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Nachdem die Polizei des heimatlichen Unrechtsstaates ihren Mann, den braven Dorflehrer, wegen ein paar unbedachter Äußerungen ins Gefängnis wirft, zieht die Afrikanerin Shandurai ins Exil nach Italien, um dort als Haushälterin des wohlhabenden, doch kontaktarmen Klavierlehrers Kinsky die Familienkasse aufzubessern. Als Kinsky der schönen Angestellten trotz zahlreicher Körbe unverdrossen Avancen macht, beschließt diese, das zähe Engagement des reichen Verehrers zur Befreiung ihres Mannes zu nutzen.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*