KRITIK

Sex Tape

Bild (c) 2014 Sony Pictures Releasing GmbH.

Bild (c) 2014 Sony Pictures Releasing GmbH.

Man kann sich über vieles aufregen in diesem Film von Jake Kasdan. Darüber, dass hier ein „normales Paar“ abgebildet wird, das zwei wohlerzogene, clevere Kinder hat, ein großes Haus, zwei Autos, unzählige Konsumgüter und unendlich viel Zeit, damit sich alle den schönen Dingen und vor allem dem Familienleben hingeben können. Oder darüber, dass der im Vorfeld veröffentlichte Trailer zum Film bereits die besten Witze vorwegnahm. Vielleicht auch noch darüber, dass sich der Film mit einem Satz zusammenfassen lässt: Verheiratetes Paar versucht die Veröffentlichung eines selbstgedrehten Homevideos zu stoppen. Nein. All das wird noch getoppt. Durch ein dreistes Product-Placement, welches so offensichtlich die Vorzüge eines Produktes hervorhebt, in einer Form, wie man es noch nie zuvor in einer Hollywood-Komödie gesehen hat.

„Wow, wie robust diese Dinger sind!“ Mit diesem Satz toppt Familienvater Jay, dargestellt von Jason Segel, im zweiten Drittel dieser Komödie eine Produktanpreisung, die mit „Sex Tape“ ohne Zweifel ein neues Level erreicht hat. Eine unrühmliche Auszeichnung wohlgemerkt. Denn dem Film, indem Segel und Cameron Diaz ein verheiratets Paar mit Sex-Problemen spielen, lag offensichtlich nur ein Grund für eine weltweite Vermarktung zugrunde: forciertes Product Placement für die Produkte eines kalifornischen Herstellers. Es geht genauer um einen so genannten Tablet-PC, mit dem besagtes Porno-Video gedreht und anschließend auf weiteren Tablets und sogar im Internet verbreitet wird.

Szene_TapeKlar, es ist nichts Neues, dass Hollywoodfilme und hier besonders die Actionfilmwelten beliebte semiotische Environments für Markenplatzierungen darstellen. Auch Komödien sind davon längst nicht mehr befreit. Die Omnipräsenz von digitalen Helfern einer bestimmten Marke, inklusive einer Zur-Schau-Stellung der Vorzüge ihrer Produkte hat mit „Sex Tape“ aber mehr noch als eine neuartige Qualität erreicht. Weil hier buchstäblich jede Szene, jede Handlungskette ihren ganz speziell designten – und man muss jetzt den Namen des Herstellers nennen – Apple-Moment hat. Ein Produkt wird zum Taktgeber. Auch eine Form, die alte Gleichung cum shot = money shot auf ein neues Level zu heben.

Was dabei passiert: eine Art Innehalten des Films. Das Logo ist zu sehen, es kann im Bild fixiert werden, gestaunt ob der Vorzüge des umfassenden Produktes, die junge, fidele, abenteuerlustige und zufriedene Familie, fit für die Zukunft, für das neue Zeitalter. Ich bin für dich da, du kannst deine Musik auf meinem Gerät mit Freunden teilen, mit der hochauflösenden Kamera ein Video drehen, es mit anderen auf der ganzen Welt teilen. Es regiert der Alleskönner in einem global simulierbaren Heimnetzwerk. Was wären wir ohne das Tablet.

Wenn ein DIN-A-4 großes Smartboard zum Hauptdarsteller wird, dadurch die teilnehmenden Personen zum Fake degradiert werden und der Plot egal wird, kann es nur ein Urteil für den Film drumherum geben: Geldverschwendung!

 




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