KRITIK

Selbstgespräche

Selbstgespräche Es gab vor vielen Jahren mal diesen Film von Jan Schütte, „Drachenfutter“ hieß er, und durch den bekamen so einige Kinogänger einen milderen Blick auf jene armen Rosenverkäufer mit Migrationshintergrund, die nachts durch die Kneipen ziehen müssen. Ob André Erkaus Tragikomödie „Selbstgespräche“ dazu führt, dass fortan viele Menschen freundlicher zu jenen ungebetenen Call-Center-Anrufern sind, die Zeitschriften, Lottoglück und sich selbst zu verkaufen versuchen, bleibt abzuwarten.

Regisseur Erkau jedenfalls müht sich redlich, einem die Schicksale am anderen Ende der Leitung nahe zu bringen. Im Mittelpunkt seiner episodischen Nummernfolge steht der sympathisch-großmäulige Call-Center-Neuling Sascha, der sich eigentlich zu Höherem berufen fühlt, einer eigenen Fernsehshow zum Beispiel, tatsächlich aber sein Leben nicht auf die Reihe bekommt und Panik schiebt, als seine Freundin schwanger wird.

Tatsächlich hat niemand in der Dauerredner-Abteilung sein Privatleben im Griff, nicht die allein erziehende Architektin Marie, nicht der kontaktgehemmte Verkaufsrekordhalter Adrian, auch der Chef Richard Harms nicht, den der famose August Zirner als Sklaventreiber des Billigmarketings in der Ehekrise spielt. Harms steht selbst gehörig unter Erfolgs-druck, belügt sich aber mit neoliberalen Phrasen: „Das chinesische Wort für Krise setzt sich zusammen aus den Schriftzeichen für Schrecken und Chance!“ Immer wieder trifft Erkau sehr schön diesen Ton zwischen Realitätsnähe und beißender Satire.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

"Come in & burn out", so begrüßt Abteilungschef Harms den neuen Mitarbeiter Sascha im grauen Großraumbüro eines Call-Centers. Außer Sascha, der eigentlich Showmaster werden will und sich vor seiner Verantwortung als werdender Vater drückt, arbeitet auch Architektin Marie dort. Sie wurde von ihrem Mann mit Kind sitzen gelassen und hofft auf einen besseren Job.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Selbstgespräche

  1. RobbyTobby

    Nette deutsche Komödie. Etwas zu fad für eine Satire und etwas zu wenig „Stromberg-Potential“. Ansonsten mit einige gute Gags und überzeugenden Datrstellern.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*