KRITIK

Selbst ist die Braut

Selbst ist die Braut Zwei, die nur zum Schein heiraten wollen, wegen der Aufenthaltserlaubnis, sich aber im Zuge ihrer Vorspiegelung großer Gefühle tatsächlich ineinander verlieben – diesen Plot kennt man, vor allem aus Peter Weirs “Green Card”, diesem seltenen Glücksfall einer grundernsten und gerade deswegen berührenden Romanze.

Die Regisseurin Anne Fletcher, die zuletzt die Brautjungfern-Farce “27 Dresses” inszeniert hat, bietet nun so etwas wie die Light-Version des Themas an, die verspaßte Hollywoodausgabe der Geschichte. Freilich ohne allzu viel Fortune. Sandra Bullock spielt Margarete Tate, die gefürchtete Chefin eines renommierten New Yorker Verlagshauses, die wohl eine Verwandte von Meryl Streeps eiskaltem Biest aus “Der Teufel trägt Prada” sein soll. Bloß kauft man Bullock keine Sekunde ab, dass sie ihre Mitarbeiter derart in Schrecken versetzt, dass die sich übers Intranet “Die Hexe kommt!” zu warnen, sobald sie das Gebäude betritt. Besonders ihr Assistent Andrew (Ryan Reynolds) soll unter den Launen seiner Vorgesetzten zu leiden haben, die ihm trotz seiner Fähigkeiten den Aufstieg zum Lektor verweigert. In Bullocks Gesicht aber liest man von Beginn an nichts als die Ungeduld, endlich zum Komödiantischen übergehen zu dürfen.

Und tatsächlich hat es sich bei Margarete schnell ausgezickt. Als gebürtige Kanadierin hat sie die Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis verschlampt, und nun droht ihr die Ausweisung – weswegen sie ihren Assistenten flugs zum Scheinehemann verdonnert. Eine Drehbuchkonstruktion, die unter starken Kopfschmerzen leidet, weil sie so arg an den Haaren herbeigezogen wurde. Viel schwerer wiegt jedoch, dass sich das Herr-und-Knecht-Verhältnis augenblicklich umkehrt: Nun, da Margarete auf ihn angewiesen ist, kann Andrew sich ungeniert benehmen, wie es die Männer in Hollywood-Komödien eben tun. Und sowieso hat Margarete ja nur darauf gewartet, während eines leidlich amüsanten Ausflugs zu Andrews Familie nach Alaska ihre weiche Seite bekennen zu dürfen und von High Heels auf flache Schuhe gestellt zu werden.

Immerhin verrät diese Konfektionsromanze dabei, dass auch im Jahr 2009 Frauen in Führungspositionen als gesellschaftliche Bedrohung wahrgenommen werden.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Angst und Schrecken herrscht, wenn Margaret Tate durch die Gänge ihres Buchverlags schreitet. Ihren leidgeprüften Assistenten Andrew Paxton beneidet niemand. Als der Kanadierin Margaret die Ausweisung aus den USA droht, weil sie die Verlängerung ihres Visas verschlafen hat, sieht die Zicke keine andere Lösung, als ihre bevorstehende Hochzeit mit Andrew zu verkünden - in Anwesenheit des Ahnungslosen. Um die skeptische Einwanderungsbehörde zu überzeugen, kündigen die Verlobten an, Andrews Eltern zu besuchen. Die wohnen allerdings in Alaska mitten in der Wildnis und haben die blendende Idee, die Hochzeit sofort stattfinden zu lassen.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*