KRITIK

Seidenfächer, Der

Plakat zum Film Der SeidenfächerGedoppelte Frauenschicksale: ein neuer Trend im Kino? Jüngst erst ließ Madonna die Königsliebschaft Wallis Simpson in der Haut einer unglücklichen New Yorker Hausfrau wiederauferstehen („W. E.“), jetzt wird diese narrative Verdopplungstaktik auf zwei chinesische Freundinnen angewandt. Dabei spielte Lisa Sees Romanvorlage ursprünglich nur im 19. Jahrhundert: Sie erzählt die Geschichte zweier Schwestern im Geiste, denen im Alter von sieben Jahren die Füße zu sogenannten „Lotusfüßen“ abgebunden werden. Für ewig verbunden als traditionelles „laotong“-Paar, schreiben sie sich geheime Botschaften auf Seidenfächern hin und her – bis Snow Flower einen armen Fleischer heiratet und Lily parallel gesellschaftlich aufsteigt.

Das Drehbuch von Angela Workman, Ronald Bass und Michael Ray basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Lisa See und bettet den Romanstoff in eine Rahmenhandlung ein: Auch im heutigen Shanghai sind es zwei verschworene Freundinnen, von denen eine (Nina) auf- und eine (Sophia) absteigt, bis Sophia einen Unfall erleidet und Nina an ihrem Krankenbett auf Aufzeichnungen der älteren Geschichte stößt. Regisseur Wayne Wang, der 1995 mit „Smoke“ einen Kultfilm drehte, hat sich längst im Metier rührseliger Frauen- und Familienschicksale eingerichtet („Mr. Shi und der Gesang der Zikaden“).

Szene aus dem Film Der SeidenfächerMit den Seidenfächer-Mädels kann er nicht allzu viel anfangen: Die zeitliche Verschränkung der beiden Erzählebenen wirkt oft erzwungen, die wohl gewünschte Spiegelung der einen in der anderen stellt sich kaum ein. Deshalb wohl soll Rachel Portmans pompöser Soundtrack einspringen, doch den Ausstattungsprunk der historischen Ebene verdoppelt er bloß, während er dem schwachbrüstigen Drama der Jetztzeit kaum auf die Sprünge hilft. Bleiben als großer Pluspunkt die doppelt besetzten Hauptdarstellerinnen: Binbing Li (Lily bzw. Nina) und Gianna Jun (Snow Flower bzw. Sophia) spielen sich nach Kräften jene Seele aus dem Leib, die dem glattpolierten Film abgeht.

  

 



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INHALT

Im China des 19. Jahrhunderts bekommen die 7jährigen Mädchen Snow Flower und Lily zeitgleich ihre Lotusfüße. Da sie am selben Tag geboren wurden, werden sie zu Schwestern im Geiste, sogenannten "Laotongs", deren Schicksale für immer miteinander verbunden sind. Heimlich kommunizieren die Mädchen über einen weißen Seidenfächer. Parallel zu dem Schicksal der Mädchen versuchen Nina (BingBing Li) und Sophia (Gianna Jun), Nachfahren von Snow Flower und Lily, trotz Karriere und Liebesleben ihre innige Freundschaft aufrecht zu erhalten. Doch das ist in der Metropole Shanghai gar nicht so einfach. Nina und Sophia erkennen, dass sie aus der Vergangenheit lernen müssen.
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