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seidene Faden, Der

Plakat zum Film Der seidene Faden mit Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps.

Bild (c) 2017 Universal Pictures Germany.

Zu ihm kommen die Schönen, Adligen und Betuchten: Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) ist ein Modeschöpfer vom alten Schlag, seine Designs gelten selbst im London der Fünfziger als konservativ. Schön und perfekt sind sie aber immer. Den penibel durchgetakteten Alltag des feingeistigen Endfünfzigers krönen temporäre Gespielinnen. Doch lange bleiben sie nie, weiß Reynolds´ eisige Schwester Cyril (Lesley Manville aus „AnotherYear“), die seine Geschäfte führt und dem Bruder nie von der Seite weicht.

Dann aber kommt Alma (Vicky Krieps). Die Hotelkellnerin wird erst zu seinem Modell, dann zur Geliebten, die ins ehrwürdige „House of Woodcock“ ziehen und selbst dann noch bleiben darf, als sie es wagt, ihm offen zu widersprechen. Zwischen dem steifen Couturier und der 25 Jahre Jüngeren entspinnt sich eine komplexe Liebesbeziehung, in der sich die Machtverhältnisse verschieben. Gegen Ende nimmt der Film eine kuriose Wendung ins Hitchcock-Thrillerhafte, die auf eine lustvoll-giftige, erotisch-abgründige Pointe zusteuert.

Szene aus dem Film Der seidene Faden mit Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps.Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis arbeitet hier – nach „There Will Be Blood“ – zum zweiten Mal mit Paul Thomas Anderson zusammen, einem Regisseur, der von Film zu Film die Genres wechselt, ohne dabei seinen leicht verspulten Stil zu verlieren. Den „Seidenen Faden“ drehte er auf analogem Material: Lange nicht mehr wurden die 1950er Jahre in Dekor und Mode so elegant und detailliert heraufbeschworen.

Abzuwarten bleibt, ob dies, wie angekündigt, tatsächlich Day-Lewis´ letzter Film als Schauspieler ist. Es wäre indes ein formidabler Abgang: Der dreifache Oscargewinner liefert als dünnhäutiger Society-Darling, dem ein zu kratzig gebuttertes Toast akustisch den Tag versaut, eine magnetisierende Leistung ab. Nicht weniger zu preisen ist Vicky Krieps. Der tollen Luxemburgerin („Das Zimmermädchen Lynn„) dürfte mit diesem Film endlich der längst verdiente Durchbruch gelingen. Wie sie Day-Lewis Paroli bietet und ihre willensstarke Alma als faszinierend ambivalente, nie wirklich ganz fassbare Figur jenseits aller Musenklischees auf die Leinwand bringt, das sollte, nein, das muss man gesehen haben. Herausragend.

 




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Eure Kritiken zu seidene Faden, Der

  1. Karl-Ernst Schäfers

    Habe den Film heute Abend in meinem Lieblingskino „Drehwerk“ (Adendorf) gesehen: Grandios! Die Handlung, die Schauspieler, die Kamera, die Musik … Unbedingt sehenswert.

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