KRITIK

Science of Sleep – Anleitung zum Träumen

Science of Sleep - Anleitung zum Träumen „All that we see or seem, is but a dream within a dream“ – alles, was wir sehen und zu sein scheinen, ist nur ein Traum in einem Traume, so dichtete einst in schönster Realitätsverwirrung Edgar Allan Poe. Auch über Michel Gondrys „Science of Sleep“, einer pop-poetischen Sandmännchen-Geschichte über zwei weltfremde Liebende, schwebt stets die Frage, was tatsächlich geschieht und was der Traum-Fantasie der Figuren entspringt. Derart drehbuchexzentrisch und bildverrückt aber inszeniert der ehemalige Clip-Regisseur sein surreales Schlummer-Spiel, dass sich die Grenzen zwischen Wunsch, Wahn und Wirklichkeit bald in einem furiosen Kopfkino-Trip aufgelöst haben und sich die Unterscheidung sowieso erübrigt.

Sein Held, der junge Stephane (Gael Garcia Bernal) kehrt nach dem Tod des Vaters aus Mexiko zur Mutter nach Frankreich zurück, wo er in einer Werbeagentur untergebracht werden soll, die das kreative Potenzial des Schöpfers eines Katastrophen-Kalenders indes kaum fordert. Umso mehr Zeit bleibt Stephane, sich in seiner Obsession für die schöne Nachbarin Stephanie (Charlotte Gainsbourg) zu verlieren. Ob seine unschuldigen Avancen die scheue Verkäuferin erreichen, bleibt fraglich, denn vielleicht bildet er sie sich nur ein.

Stephane und Stephanie entfliehen der schnöden Alltäglichkeit aber doch gemeinsam – in einer grenzenlosen Kindergarten-Bastelwelt aus Papp-Häusern, Zellophan-Meeren und Spielzeug-Autos kommen sie sich näher, pflanzen Bäume auf einem Papier-Schiffchen und sehen Watte-Wölkchen fliegen.

Gondry, der zuletzt „Vergiss mein nicht – Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ gedreht hat, eine tolle Fabel über das Gedächtnis der Liebe, zeigt sich auch hier wieder als überbordend einfallsreicher Erzähler und geht tricktechnisch diesmal wundervoll altmodisch zu Werke: eine Augsburger Puppenkiste für Liebende in Zeiten der schnellen Schnitte. Sein Film, in den Charlotte Gainsbourg eine entrückte Melancholie trägt, ist eine staunenswerte Wach-Fantasie, wenngleich sie gen Ende ein wenig zu schlafwandlerisch wirkt.



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INHALT

Nach längerer Abwesenheit kehrt der versponnene Grafikdesigner Stephane zurück nach Paris, wo seine Mutter einen schön scheußlichen MacJob für den Kreativgeist aufgetrieben hat: Als Bürosklave in einer Kalendermanufaktur. Immerhin lernt er so die schöne Nachbarin Stephanie kennen, die seine überbordende Fantasie weiter und nachhaltig befeuert.
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Eure Kritiken zu Science of Sleep – Anleitung zum Träumen

  1. Sneaker

    Verquickt, verqueer und durchgeknallt. Nach „Vergiss mein nicht“ ein weiterer Michael Gondry Film, den man wohl erst nach dem zweiten und dritten Ansehen verstehen kann. Für Träumer!

  2. Satan

    Die fabelhafte Welt des Michael Gondry. Verrückt. Am besten nichts vorher über den Film lesen, dann genießen und traäumen..

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