KRITIK

Schwedisch für Fortgeschrittene

Schwedisch für Fortgeschrittene Der deutsche Titel dieses schwedischen Freundinnenfilms soll wohl Erinnerungen an „Italienisch für Anfänger“ von Lone Scherfig wecken, was zwar eine dänische Produktion war, aber egal. Norden ist Norden und Komödie ist Komödie. Die Dogma-Filme und ihre Trittbrettproduktionen kann sowieso keiner mehr auseinanderhalten, und irgendwie muss man ja verkaufen, dass es sich um eine dieser Zelluloid-Kneippkuren handelt, in denen es sehr menschelt.

„Heartbreak Hotel“ heißt das Feelgood-Movie des gebürtigen Briten Colin Nutley im Original, benannt nach einer handlungstragenden Diskothek, in der auch ältere Jahrgänge noch tanzen und sich lebendig benehmen dürfen, sogar Frauen über vierzig.

Wie die Gynäkologin Elisabeth (Helena Bergström) und die Politesse Gudrun (Maria Lundqvist), zwei geschiedene und scheinbar unverwandte Seelen, die sich bei einer unschönen kleinen Knöllchen-Affäre begegnet sind und böse Worte ausgetauscht haben.

Als Gudrun jedoch kurz darauf, angestachelt von ihrer Tochter, den Schritt in Elisabeths Praxis wagt, um sich trotz Prüderie und Hypochondrie nach zehn Jahren mal wieder durchchecken zu lassen, ist das Eis schnell gebrochen. Dank Gudruns Fingerspitzengefühl bei der Vaginaluntersuchung öffnet die verhärmte Gudrun ihr Herz, schon wenig später gehen die Frauen zusammen auf die Piste, tanzen sich im „Heartbreak Hotel“ die Füße wund, kippen Tequila wie Wasser und schwadronieren dementsprechend ausgelassen über das einzige und alles bestimmende Thema im Leben, Männer nämlich. Zwei Beastie Girls behaupten ihr Recht auf Party.

Was für Waschlappen die Ex-Ehemänner der beiden Ladykracher sind, das darf man in illustrativen Randepisoden bestaunen. Der eine ein Hanswurst, der mit Kindern musiziert, der andere ein Schwein, das bettelt, zurückkommen zu dürfen und dabei nebenbei eine 20-Jährige geschwängert hat.

Viel schwerer aber wiegt, dass der Film unangenehm laut ist. Soll heißen: Die beiden Frauen brüllen sehr viel, was eben auch daran liegt, dass so viele Passagen in der Disko spielen und immer gesoffen wird. Gudruns Blitz-Wandlung von der grauen Politessen-Maus in Gesundheitssandalen, die noch nie Spaß im Bett hatte, zur hemmungslosen Ballermann-Schnapsdrossel tut dem Vergnügen weiteren Abbruch – bei aller grundsätzlichen Sympathie für das Genre der Menopausen-Komödie.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Elisabeth und Gudrun sind zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Elisabeth ist eine aufgetackelte und erfolgreiche Gynäkologin, die sich selbst für das Wichtigste hält. Gudrun hingegen ist Verkehrspolizisten, die heute keinen besonders guten Tag erwischt hat. Nach der ersten ungewollten Begegnung der beiden treffen sie sich zufällig wieder, doch diesmal unter anderen Voraussetzungen.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*