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Schöne und das Biest, Die

Bild (c) 2017 Walt Disney Motion Pictures.

Oft schon ist es verfilmt worden, das berühmte französische Volksmärchen von der jungen Schönen und dem verzauberten Biest. Unvergessen bleibt die Nachkriegsversion von Jean Cocteau, und auch die TV-Serie aus den Achtzigern war nicht so schlecht. Heutigen Kinogängern dürfte jedoch der geniale Disney-Trickfilm am vertrautesten sein, dem 1991 das Kunststück gelang, als erster Animationsfilm überhaupt für einen Oscar als „Bester Film“ nominiert zu werden.

Gary Trousdales und Kirk Wise´ Trickfilm war der Startschuss für ein gigantisches Merchandising-Unternehmen mit Sequels, Broadway-Musicals, Computerspielen und Vergnügungs-Park-Attraktionen. Knapp 25 Jahre später wurde der Film selbst noch einmal recycelt, diesmal als Realfilm mit zeitgemäßem Digitaltrick-Einsatz, ganz so, wie es der Mäusekonzern zuvor bereits mit „Cinderella“ und „The Jungle Book“ erfolgreich ausprobierte.

Regisseur Bill Condon („Dreamgirls„) zieht das Ganze denn auch wie ein klassisches Musical auf: Er inszeniert die berühmten Songs von Alan Menken fast einstellungsgenau aus der Trickvorlage nach und behält den optimistischen Schwung der Vorlage bei. Wie eh und je lässt sich also die schöne Belle (mit Charme, Witz und Erfindergeist: Ex-Harry-Potter-Star Emma Watson) anstelle ihres Vaters (Kevin Kline) vom garstigen Biest (tricktechnisch versteckt: Dan Stevens aus „Downtown Abbey“) in dessen Schloss gefangen nehmen.

Bis endlich klar wird, dass im Tier ein Prinz feststeckt (das dürften alle Fans wissen), der nur durch wahre Liebe erlöst werden kann, bekommt es Belle mit dem verzauberten Hauspersonal zu tun: Dreiarmleuchter Lumière, Standuhr von Unruh und Teekanne Pottine, hinter deren digitalen Oberflächen im Original die (durchaus beachtlich singenden) Stimmen von Ewan McGregor, Ian McKellen und Emma Thompson zu hören sind.

Luke Evans als Gaston und Josh Gad als Le Fou.

Etwas blass bleibt allerdings Luke Evans („Dracula Untold“) als Belles eitler Stalker und Biest-Gegenspieler Gaston, während dessen schwuler Gefährte LeFou in Russland, Malaysia und auch in Alabama derzeit für bigotte Entrüstung sorgt. Doch wer in der harmlos tuntigen Karikatur ernsthaft familienfeindliche Umerziehungspläne zu identifizieren meint, sollte bei sich deutlich mehr hinterfragen als nur die eigene Homophobie.

Viel eher nämlich ist diese Neuverfilmung ein ziemlich kitschiges, dabei niemals langweiliges Disney-Märchen der alten Schule. Diese Sorte Eskapismus gehört eigentlich in den Advent, sie passt aber, so frisch aufgebügelt, natürlich auch in den Frühling.

 

Kritikerspiegel Die Schöne und das Biest



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, WAZ
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen gibt es in unserem monatlichen Kritikerspiegel.
 

 

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