KRITIK

Schmuckstück, Das

Schmuckstück, Das Die Bezeichnung „Vielfilmer“ trifft auf keinen Regisseur so treffend zu wie auf den französischen Filmemacher Francois Ozon. „Rückkehr ans Meer“ (2009), „Ricky“ (2009), „Angel – Ein Leben wie ein Traum“ (2007) oder „Die Zeit, die bleibt“ (2005) sind nur die aktuellen sehenswerten Filme des sehr talentierten Franzosen. Mit „Potiche“, so der Originaltitel, inszenierte er das bei ihm mit sehr schrillen Farben im Frankreich der 1970er Jahre angesiedelte gleichnamige Boulevard-Theaterstück von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy aus dem Jahr 1980 und bot gleichzeitig Catherine Deneuve, der großen Dame des französischen Kinos, eine perfekte Bühne für ihr großartiges und überzeugendes Schauspiel.

Catherine Deneuve mimt die Ehefrau eines ausbeuterischen Fabrikanten. Suzanne Pujol hat den lieben langen Tag nichts Anderes zu tun, als Gedichte zu schreiben, zu joggen und neben ihrem Mann zu glänzen, weshalb sie sich selbst auch spöttisch als sein „Schmuckstück“ bezeichnet. Im Originaltitel wird dies sogar noch deutlicher ausgesprochen, „Potiche“ (Porzellanvase) meint hier einen unnützen Gegenstand, der hübsch aussehen, aber nichts sagen darf. Ihr Alltag ändert sich jedoch schlagartig, als sie kurzfristig die Geschäfte ihres Mannes in der Fabrik übernehmen muss. An ihrem Auftreten ändert Suzanne trotz ihrer neuen Aufgaben nichts. Wieso auf High Heels und schicke Kostüme samt Pelz verzichten, wenn man seine Arbeiter vom Streiken abhalten will?

Weitere neue Möglichkeiten tun sich auf im Leben der Unternehmergattin: Auf der Seite der streikenden Arbeiter steht ihre Jugendliebe, der Gewerkschafter Gérard Depardieu, der hier neben „der Deneuve“ ebenfalls eine beschwingte Leistung abgibt. Klar, dass diese neue Aufgabe und die neuen Konstellationen bald zu einigen Verwicklungen führen, in dessen Fahrwasser sich die beiden Hauptdarsteller den einen oder anderen brüllend komischen Schlagabtausch, die zum Teil an Screwball-Komödien aus den 50er und 60ern wie „Leoparden küsst man nicht“ erinnern, liefern.

Auch sonst kommt einem „Das Schmuckstück“ zuweil wie ein Film aus längst vergangenen Kinotagen vor. Vielleicht entsprungen aus den 70ern? Nein, Potiche ist eine erfrischende, sehr lustige Komödie voller menschlicher Verwicklungen und falscher Entscheidungen, die zu jeder Sekunde unterhält und von leisem Gekicher bis zum prustenden Lacher jede Regung zulässt. Das Timing sitzt perfekt. Und wenn Depardieu und Deneuve im letzten Drittel Wange an Wange in einem zwielichtigen Etablissement herumschwofen, ist Ozons köstliche Emanzipationsgeschichte ein rundum gelungener Kinospaß..



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INHALT

Frankreich, 1977. Robert Pujol führt erfolgreich die Regenschirmfabrik seiner Frau. Seine harte Hand ist berüchtigt und gefürchtet. Die Arbeiter wollen mehr Geld? Die Ehefrau denkt selbstständig? Kann nicht sein. Bei einem Streik erleidet er eine Herzattacke. Da übernimmt - erst widerwillig - seine Frau Suzanne die Geschäfte und verhandelt mit den Arbeitern. Und das sehr erfolgreich, obwohl sie bisher nur Gedichte geschrieben und die Wohnung dekoriert hat. Über ihre neue Position kommt sie auch wieder in Kontakt zu einer alten Liebe von ihr, dem charmanten Gewerkschaftler Maurice.
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Eure Kritiken zu Schmuckstück, Das

  1. Udo

    Ein hervorragender Film, unterhaltsam, leichtfüßig, ein typischer Ozon. Klasse. ein echter Tipp!

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