KRITIK

Savages

Plakat zum Film SavagasAlles Primitive (Savages)? Mag sein. Zumindest lässt Oliver Stone bereits mit der Eröffnungsszene keinen Zweifel daran, was er von Mexikanern und besonders vom mexikanischen Drogenkartell hält. In Form einer Videobotschaft per eMail bekommen die Freunde Chon (Aaron Johnson) und Ben (Taylor Kitsch) eine Warnung ins idyllische Laguna Beach/Kalifornien geschickt. Ein mit einer Totenmaske verkleideter Mörder enthauptet mit einer Kettensäge gleich mehrere, offenbar ungehorsame oder betrügerische Schergen in einer schmutzigen Folterkammer. Dabei kann es sich doch nur um ein Versehen handeln, will man den verdutzt dreinblickenden Empfängern der Botschaft Glauben schenken. Bis eine hübsche Blondine am Strand in die weichzeichnende Kamera von Oliver Stone lächelt, um die Geschichte hinter der Botschaft zu erzählen. Ophelia, genannt „O“ (Blake Lively) ist die Freundin, Liebhaberin und Muse der beiden unterschiedlichen Freunde. Ben und Chon kennen sich seit ihrer High-School. Aus einer Laune heraus haben der Ex-Navy-Seal und der Hippie mit zwei Uni-Abschlüssen einen Drogenhändlerring aufgebaut. Und das berüchtigte Baja-Kartell hat Interesse daran, im florierenden Markt der beiden ein Wörtchen mit zu reden.

Gewalt? Drogen? Oliver Stone? Da müsste es bei vielen Filmfans klingeln. Der mittlerweile 66-jährige New Yorker Oliver Stone kennt sich aus mit essentiellen Zutaten eines guten Thrillers. Seit „Platoon“, „Wall Street“ oder „Natural Born Killers“ zählt er zu den schärfsten Ideologiekritikern Hollywoods. Wer sonst hätte sich der Romanvorlage „Zeit des Zorns“ von Don Winslow annehmen können, einem simplen Gut-gegen-Böse-Krimi des angeblich zurzeit besten amerikanischen Krimi-Autoren? Winslow, der auch am Drehbuch mitschrieb, hat mit „Tage der Toten“ sein Magnum Opus über 30 Jahre des gnadenlosen und unerbittlichen Drogenkriegs an der amerikanisch-mexikanischen Grenze abgeliefert. Und Stone wird in zahlreichen Interviews nicht müde zu betonen, dass die amerikanische „Drogen-Problematik“ nur durch eine Legalisierung von Marihuana aus der Welt zu schaffen sei. Topf fand also den passenden Deckel.

Szene aus dem Film SavagesDie (sehr gestraffte) Handlung wird aus Sicht der stets bereitstehenden Ophelia erzählt. Ein geschickter Schachzug von Stone. Denn die hübsche Erfüllungsgehilfin, die ihre Aufgabe an der Seite der beiden unterschiedlichen Freunde liebt und ihre Liebe zu beiden „für die perfekte Liebesbalance“ hält, lässt stets genug Distanz zum Geschehen, obwohl sie die meiste Zeit mit den beiden Entscheidungsträgern zusammen ist. Genauso verklärt wie aus der Sicht der jungen „O“ sieht auch Oliver Stone das Geschäft mit den Drogen. Das Leben und Wirken der Ménage-à-trois wird als unbeschwertes Leben, als eine Art „Hippie-Traum“ an der kalifornischen Küste dekoriert. Einer der Firmengründer hat sogar genug Zeit, Ruhe und Freiheiten, sich um Hilfsprojekte in Afrika und in Asien zu kümmern.

Doch als das Anfangs erwähnte Video in die mondäne Hippie-Kommune flattert, erkennen Chon und Ben den Ernst der Lage und versuchen, zunächst auf Zeit zu spielen. Dazu soll ihre Organisation vorübergehend aufgelöst werden, um sich eine gewissen Zeit in Indonesien aufzuhalten, bis sich die Dinge wieder beruhigt haben. Das Drogenkartell, an dessen Spitze die charismatische Elena (Salma Hayek) und ihr gnadenloser Vollstrecker Lado (Benicio del Toro) stehen, riechen den Fluchtplan und entführen Ophelia, um die geforderte Zusammenarbeit zu erzwingen. Ben und Chon wird schnell klar, dass aus dem spielerischen Dealen nun buchstäblich blutiger Ernst geworden ist.

Szene aus dem Film SavagesEs ist kaum zu übersehen, dass Oliver Stone mit dieser Romanverfilmung an seine großen Meisterwerke wie „Plattoon“, „JFK“, „Natural Born Killers“ oder „Wall Street“ anknüpfen wollte. Dabei hätte „Savages“ allein aufgrund des brisanten, gesellschaftspolitischen Hintergrunds genügend Potenzial geboten, um ihm eine Rückkehr zur alten Hochform zu ermöglichen. Doch das Resultat ist letztendlich enttäuschend. Jegliche Subtilität des Romans, zahlreiche ironische Untertöne gehen zu Lasten der Hochglanz-Inszenierung flöten, Nebenfiguren wie der bis zur eigenen Parodie agierende Benicio Del Toro werden künstlich aufgeblasen, erhalten viel zu viel Spielzeit und die Geschichte bietet kaum Überraschungsmomente. So bleibt es am Ende bei einer gediegenen Genrearbeit, die aufgrund der simplen Vorlage weit entfernt ist von jener wütenden Kraft, die in Stones früheren Filmen so oft zu spüren war.

  



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