KRITIK

Sammys Abenteuer 3D

Sammys Abenteuer 3D Die neue 3D-Technik ist ein Segen für das Kino des jungen 21. Jahrhunderts. Weit mehr als eine ehemalige Jahrmarktsattraktion hat die neue Dimension nicht nur die Kinopreise stabilisiert sondern auch zahlreiche Kinos in Zeiten von kino.to vor dem Aus bewahrt. Den Filmfan und den Kinobetreiber freut´s. Da liegt es nahe, dass auch das europäische Kino auf den 3D Zug aufspringt, der gerade im Animation- und Mainstreambereich nicht zu stoppen ist.

3D-Technik – State of the Art? Abgesehen von technisch innovativen Filmen wie “Avatar” oder “Oben”, produziert mit einem Budget, von dem viele Filmemacher träumen, macht es in vielen Fällen (“Die Legende von Aang”, “Jackass”) kaum einen Sinn, ob man die große 3D-Brille auf der Nase hat oder nicht. Besser gesagt, die 3D-Technik als Sahnehäupchen macht aus einem mittelmäßigen Film keinen besseren Film. Anders sieht es bei Filmen mit Naturdarstellungen und fliegenden oder schwimmenden Elementen aus. Hier wird der Kinobesuch mehr und mehr zu einem Event. Das werden auch die beiden nächsten Avatar-Filme von James Cameron zeigen, in denen sowohl die fliegenden Elemente als auch eine völlig neue Unterwasserwelt eine große Rolle spielen werden.

Wenn die Stereoskopie stimmt, wenn durch die dritte Dimension Landschaften tiefer wirken, Tiere und Pflanzen im Kinosaal zum Greifen nah scheinen, ist 3D ein Zugewinn für jeden Kinobesucher. Der belgische Regisseur Ben Stassen ist einer der kreativen Köpfe und Kräfte hinter dreidimensionaler Computeranimation in Europa. Sein erster Langfilm “Fly me to the Moon” fand (nach einigen 3D Kurzfilmen (“Wild Safari”, “African Adventure”)) unter den technikbegeisterten Filmfreaks viel Beachtung. Doch für den großen 3D-Hype dieser Tage kam sein Langfilm in 2008 sicherlich etwas zu früh. Die Kinobetreiber konnten und wollten die nötige Technik vor zwei Jahren großflächig noch nicht bereitstellen. Der Belgier Ben Stassen stammt aus der IMAX-Tradition des 3D-Kinos, was man auch Sammys Abenteuer ansieht.

Nicht nur die vielen Filmfans, die bereits nach Sichtung des Trailers zum Film Sammys Abenteuer beeindruckt – und vielleicht bei der finster dreinblickenden Schlange zusammengezuckt sind, werden erahnen können, was sie im Kino erwartet. Wasser und Tiere sind so perfekt gezeichnet bzw animiert, dass sie aus der Leinwand zu brechen scheinen, halsbrecherische Flug- und Schwimmaufnahmen werden beim Publikum offene Münder und Augen provozieren. Nicht nur die vielfältigen Gesichter des Ozeans sind immer wieder ein Hingucker.

Doch wie verhält es sich mit dem Rest? Was ist mit den Dialogen, mit der Charakterzeichung und mit dem Spannungsbogen der Geschichte? Die Filmbewertungsstelle aus Wiesbaden schreibt dazu: “Diese hervorragende belgische Animation vereint liebevolle Figuren und eine herzliche Geschichte mit dem Engagement für Naturschutz und weiß auch die 3D-Technik geschickt für die Vertiefung der visuellen Wunder einzusetzen. Die einfühlsame Erzählweise zeichnet den Film auch für die ganz Kleinen aus. Prädikat: Besonders wertvoll.” Intoniert wird Sammys Abenteuer vom großväterlichen Sammy (Stimme: Thomas Fritsch), der auf seine ersten Gehversuche zurückblickt. Die großväterliche Stimme wird als hilfreicher Off-Kommentar später an einigen Stellen noch einmal auftauchen. Bereits in diesen ersten (Lebens)Minuten lernt Sammy (Stimme: Matthias Schweighöfer) seine große Liebe Shelly (Stimme: Lena Meyer-Landrut) kennen (!). Doch nachdem er sie aus den Augen verliert, begibt sich die junge Schildkröte auf die Suche und begegnet auf der Reise der gleichaltrigen Schildkröte Ray (Stimme: Axel Stein). Gemeinsam paddeln sie fortan durch die Weltmeere.

Angesichts der atemberaubenden Bilder lässt sich verschmerzen, dass die Handlung dieses Animationsabenteuers nicht die originellste ist. Auch die bewusst kindgerechte Sprache “Hey, das war richtig cool” oder “die haben dich voll angebaggert” werden dem ein oder anderen Elternteil ein Schmunzeln entlocken. Doch gerade der runde Spannungsbogen, der sich aus Sammys Suche und den damit einhergehenden Gefahren ergibt, und die sorgsam eingeflochtenen ökologisch-pädagogischen Motive des Films rund um Erderwärmung und Artenschutz, die von einer angenehmen Ambivalenz zwischen Helfer und Gefährder/Feind der Natur getragen werden, machen Sammys Reise zu einem großen unterhaltsamen Abenteuer.

“Sammys Abenteuer” ist eine visuell und inhaltlich atemberaubende Reise, die durchaus Pixars Weltererfolg “Findet Nemo” das Wasser reichen kann. Einer der besten 3D-Filme aus Europa, nicht nur für die ganz Kleinen sondern auch für die ganz Großen.



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INHALT

Der kleine, etwas unbeholfene Meeresschildkröterich Sammy avanciert eher durch Zufall zum Helden, als er die süße Artgenossin Shelly aus den Fängen einer gefräßigen Möwe befreit. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit den beiden. Sie verlieren sich in den unendlichen Weiten des Ozeans aus den Augen. Nach zahlreichen Abenteuern mit seinem Kumpel Ray in einer Hippie-Kommune und auf einem im Eismeer entsorgten Kühlschrank darf Sammy seine Shelly am Ende dann überglücklich in seine Flossen schließen.
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Eure Kritiken zu Sammys Abenteuer 3D

  1. Udo

    Ein schöner Film mit beeindruckenden 3D-Effekten. Und das aus Europa. Vor allem für die ganz Kleinen bestens geeignet.

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