KRITIK

Salami Aleikum

Salami Aleikum Sommerzeit ist Komödienzeit! Wenn schon Kino in diesen heißen Tagen, dann doch bitte die sommerleichte Unterhaltungskost. Also nichts wie rein – nicht in die alberne deutsche Bestsellerverfilmung „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ – sondern in Ali Samadi Ahadis „Salami Aleikum“, einer wunderbar unterhaltsamen, bildgewaltigen Culture-Clash-Komödie, in der sich Gegensätze anziehen, die gegensätzlicher kaum sein können. Und dieser Tipp ist ernst gemeint. Denn im Vergleich mit anderen Komödien, die mit großem Werbe-Tamtam die Zuschauer in die klimatisierten Lichtspielhäuser locken, verhält sich Ahadis Komödiendebüt wie ein schöner Koi-Karpfen im Sardinen-Teich. Bunter, vielfältiger und einfach eine Spur pfiffiger.

Dass Ahadis Film die Konkurrenz aus den USA („Selbst ist die Braut“, „Hangover“ und Co.) und aus dem eigenen Land („Maria, ihm schmeckt´s nicht“) locker abhängt, liegt nicht nur an den hervorragenden Darstellern, die hier nicht in (unzählige Male gesehene) Klischeerollen schlüpfen, sondern an der bildgewaltigen Umsetzung des hervorragenden, mutigen Drehbuchs. Der Multi-Kulti-Plot ist so scharf wie eine Rasierklinge. Wie gut, dass animierte Sequenzen den Lauf der Geschichte unterbrechen und kommentieren, vorgetragen von einer Erzählerin aus dem Off. Dazu gibt es Tanz- und Gesangseinlagen, die entfernt an Bollywood-Filme erinnern.

Gekonnt wie ein alter Hase spielt Ahadi dabei mit den Mitteln des Kinos. Szenen, die an Filme von Michel Gondry oder Jean-Pierre Jeunet erinnern. Und der Regisseur und Drehbuchautor spannt den Bogen noch weiter: vom Animationsfilm über Klamauk und Provinzfabel bis hin zum Bollywoodmusical und zur Satire. Und die Spannung hält. Aber das Schöne ist: auch das Timing stimmt – und Ostdeutschland und mittlerer Osten finden in „Salami Aleikum“ auf brutale und brutal ehrliche Weise zusammen.

Bei ihrem Besuch in Münster haben wir uns mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller des Films unterhalten.



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INHALT

Mohsen hat es nicht leicht. Der schmächtige Deutsch-Iraner ist bereits Ende 20 und lebt immer noch bei seinen Eltern. Beim Versuch die elterliche Metzgerei zu retten, havariert er ausgerechnet in der tiefsten ostdeutschen Provinz. Dort gibt man Ausländern in der Dorfkneipe nichts zu essen, aber Mohsen begegnet Ana, der Frau seines Lebens: groß, stark, blond. Ein kleines bisschen muss Mohsen schwindeln: Um der Vegetarierin Ana zu gefallen, gibt er sich als Textilhändler aus. Und schon dreht sich die Stimmung, ganz Oberniederwalde wittert den fetten Coup. Die reichen Perser sollen die stillgelegte VEB-Hemdenfabrik kaufen und zu neuem Aufschwung führen!
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