KRITIK

Saiten des Lebens

Plakat zum Film Saiten des LebensLust auf gediegenes Schauspielerkino? Dann kommt Yaron Zilbermans Spielfilmdebüt über ein disharmonisches New Yorker Streichquartett wie gerufen. Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman und die immer großartige Catherine Keener („Being John Malkovich“) spielen das Ehepaar Robert und Juliette, er zweite Geige, sie Bratsche, Mitglieder im fiktiven Streichquartett „The­ ­Fugue“, das zum 25. Jubiläum eine große Tour vorbereitet. An ihrer Seite: der israelische Theater-Star Mark Ivanir („Die Reise des Personalmanagers“) als erste Geige Daniel und, als Cellist Peter, der große Christopher Walken, der in jedem Film aufs Neue zu verblüffen weiß. Diese vier Großmimen sind es, die den ansonsten betulich inszenierten Film zum Strahlen bringen.

Zu Beginn wird beim Cellisten Peter die Krankheit Parkinson diagnostiziert, woraufhin der Quartett-Älteste seinen Rückzug ankündigt. Der Schock wirkt als Katalysator, unterschwellige Begehrlichkeiten kommen zum Vorschein: Die zweite will die erste Geige sein, in der Ehe zu Juliette kriselt es, die erste Geige beginnt eine Affäre mit der Tochter der zweiten. Zerbricht das Quartett?

Szene aus dem Film Saiten des LebendsDas klingt nach altersmelancholisch ansentimentalisierter Seifenoper und ist es auch – wären die Darsteller nicht, denen beim Ausrasten, Zusammenbrechen und Versöhnen zuzusehen eine Freude ist. Den Film grundiert eine schöne musikalische Metapher: Die fiedelnden Vier proben Beethovens verzwicktes 14. Streichquartett in cis-Moll, das kurz vor dem Tod des seinerzeit komplett ertaubten Komponisten entstand. Beethovens Anweisung: „attacca“ spielen, sieben Sätze ohne Pause. Da dies nicht möglich ist, ohne dass sich die Instrumente verstimmen, ist eine entsprechende Anpassung in der Spielweise nötig, um Dissonanzen zu vermeiden.

Gleiches gilt im Film für die Spieler selbst – und für die Schauspieler und somit auch für den Film. Sehenswert!

  



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Das Quartett ist ihr Leben: Musik, Liebe, Leidenschaft, Familie und Freundschaft. Der renommierte Cellist eines weltbekannten Streichquartetts erhält eine Diagnose, die nicht nur sein Leben komplett verändert, sondern auch die gemeinsame Zukunft der Musiker: Unterdrückte Emotionen, Egokonflikte und unkontrollierbare Leidenschaften brechen hervor, die eine jahrelange Freundschaft und Zusammenarbeit aus den Fugen zu bringen drohen. Als die Vier das Konzert zu ihrem 25-jährigen Jubiläum, ihrem womöglich letzten gemeinsamen Auftritt, vorbereiten, können nur ihre intime Verbundenheit und die Kraft der Musik helfen, ihr Schaffen zu bewahren.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*