KRITIK

Safe House

Plakat zum Film Save HouseMatt Weston (Ryan Reynolds) hat sich seine Aufgaben im Dienst der CIA etwas anders vorgestellt: Er bewacht ein geheimes Hochsicherheitshaus, das titelgebende „Safe House“, in Kapstadt/Südafrika, das nur bei Bedarf genutzt wird. 12 Monate übt er diese einsame Aufgabe bereits aus. Immer öfter träumt er von einer Versetzung, beispielsweise nach Paris, um gemeinsam mit Freundin Ana (Nora Arnezeder) in die Stadt ihrer Träume zu ziehen. Doch zur Zeit gibt es keinen Bedarf, und so sind Rundgänge, das Werfen eines Tennisballs und die zahlreichen telefonischen Lügen an seine Freundin die einzigen täglichen Beschäftigungen des unterforderten Yale-Absolventen.

Da es sich bei „Safe House“ aber um einen lupenreinen „Gut-gegen-Böse“-Thriller handelt, lässt der Gegenspieler nicht lange auf sich warten. Der Superverbrecher und Ex-CIA-Agent Tobin Frost (Denzel Washington) gibt sich in der in der südafrikanischen Millionenstadt die Ehre. Nach einem brisanten Austausch geheimer Aufzeichnungen wird Frost von wild um sich schießenden Gangstern gejagt, rettet sich ausgerechnet ins US-Konsulat – wohl wissend, dass sein alter Arbeitgeber nichts Besseres im Sinn hat, als ihn nach allen Regeln der Folterkunst auszuquetschen. So landet er nur wenig später im Safe House, das von Matt Weston bewacht wird.

Szene aus dem Film Safe HouseWer jetzt an dieser Stelle an ein spannendes Katz-und-Maus-Duell á la Stephen Hopkins´ „Under Suspicion – Mörderisches Spiel“ (2000) denkt, der liegt leider falsch. Das Drehbuch von David Guggenheim will es, dass ein finster dreinschauender Trupp junger Männer mit schweren Waffen und wenig Verhandlungsbereitschaft den Weg schneller ins Safe House findet als Weston seinen vor Erstaunen geöffneten Mund wieder schließen kann. Gemeinsam treten Agent und Gefangener die Flucht zum nächsten Sicherheitsquartier an, mit ihren Verfolgern im Nacken. Nur – wie konnte es dazu kommen, dass der sichere Unterschlupf so schnell aufflog? Den beiden und auch dem Zuschauer wird schnell klar, dass es in der CIA eine undichte Stelle geben muss, durch die die Existenz des Safe House nach draußen gesickert ist.

Genau wie für Matt Weston im Film war auch für den 34-jährigen schwedischen Regie-Newcomer Daniél Espinosa das Aufeinandertreffen der beiden Hollywoodstars Denzel Washington und Ryan Reynolds die große Chance – der erste Hollywood-Film, nachdem er zuvor mit dem Thriller „Easy Money“ auf sich aufmerksam gemacht hatte. Dass er seine Hausaufgaben gemacht hat, beweist der junge Regisseur mit einem eigenen, durchaus sehenswerten Stil: Das körnige Bild, die schummrige Ausleuchtung, das ist alles handwerklich stimmig, sie passen zur Inszenierung der gnadenlosen, rastlosen Gewalt und zeigen auch, dass er nicht nur die zahlreichen Bourne-Filme sehr gut zu kennt.

Doch gut kopiert ist noch lange nicht originell inszeniert. Zwar lassen einem die hastig bewegte Handkamera, der atemlose Schnitt und die Stunts die Zeit im Kinosessel wie im Fluge vergehen aber letztlich liefert Espinosa dadurch nicht mehr als ein routiniertes Gesellenstück ab. Mit deutlichen Anleihen an die Agentenfilme aus den 80er und 90er Jahren (Flüchtiger verschwindet in eine Demonstration) nerven bei ihm nicht nur die prophetische Vorhersagen von Tobin Frost über die nächsten Schritte der Verfolger, sondern auch die beiden vorhersehbaren Handlungsstränge innerhalb und außerhalb des CIA-Apparats. Nicht zuletzt der unorthodoxe Schnitt, der zusehends mehr verwirrt als beruhigt, auch die sträfliche Vergeudung von Nebendarstellern wie Vera Farmiga („Up In The Air“), Brendan Gleeson („The Guard“) oder Sam Shepard („Fair Game“) schmerzen am Ende sehr. Keine Hilfe ist vor diesem Hintergrund die wie immer routiniert abgerufene Grandezza des Hauptdarstellers Denzel Washington, der nach Fuquas´ „Training Day“ einmal mehr als Bösewicht besticht. Ihm bleiben bis zum leichenreichen Finale die spannendsten Momente in diesem nur wenig originellen Agenten-Duell.

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Kritikerspiegel Safe House



Christian Gertz
nadann... Wochenschau; mehrfilm.de
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Dimitrios Athanassiou
moviemaze.de
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
4.5/10 ★★★★½☆☆☆☆☆ 





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INHALT

Ex-CIA-Agent Frost (Denzel Washington) steht auf der falschen Seite: Vor Jahren hat er US-Militärgeheimnisse an Nordkorea verraten. Jetzt wartet er als Gefangener der CIA an einem geheimen Ort auf seinen Prozess, in dem er als Kronzeuge aussagen soll. Doch dazu kommt es nicht. Plötzlich wird das Safe House von einem Killerkommando attackiert und dem Erdboden gleichgemacht. Nur knapp kann Frost mit Hilfe seines Bewachers, des jungen Spezialagenten Weston (Ryan Reynolds), entkommen. Aber wer will Frost mundtot machen? Terroristen? Oder ist es gar jemand aus der CIA-Chefetage? Je länger das Katz-und-Maus-Spiel dauert, desto unklarer wird, wer wem trauen kann. Bis beim furiosen Show-down die Wahrheit schließlich ans Licht kommt.
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