KRITIK

Rush – Alles für den Sieg

Plakat zum Film RushAuf die Frage nach den spannendsten Duellen der Formel-1-Historie fallen bei zahlreichen Experten immer wieder die Namen Niki Lauda und James Hunt. Während der Name des Österreichers im deutschsprachigen Raum weitestgehend bekannt ist, dürfte der Name James Hunt nur den älteren Jahrgängen noch etwas sagen. Dabei wird der bekanntere von beiden, der zweifache Weltmeister und TV-Kommentator Niki Lauda auf die Frage nach seinen größten Konkurrenten oft und gerne mit den Worten zitiert: „Es gab nur einen Fahrer, den ich in meiner Karriere wirklich akzeptiert und respektiert habe – James Hunt“. Ein Zitat, das natürlich auch im Film nicht fehlen darf – aber auch ein Zitat, das nach zwei Stunden den einzigen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Die beiden Rennsportfans Eric Fellner und Tim Bevan, die das englische Working Title-Studio leiten und bereits mit ihrer herausragenden Dokumentation „Senna“ (über den gleichnamigen brasilianischen Rennfahrer) ihre Begeisterung für den Sport eindrucksvoll unter Beweis stellten, engagierten für ihren Spielfilm über das spannende Duell zwischen Lauda und dem Briten Hunt ausgerechnet den US-Amerikaner Ron Howard für den Regiestuhl.

Jenen TV-und Spielfilm-Schauspieler, erfolgreichen Regisseur sowie Produzenten aus Oklahoma, USA, der in seiner „Karriere“ (die mittlerweile über 30 Filme allein als Regisseur umfasst) lediglich EINEM Film seine Handschrift verpassen konnte: seinem (misslungenen) Debüt namens „Gib Gas … und lasst euch nicht erwischen“ aus dem Jahr 1977, das im Original „Grand Theft Auto“ heißt. Eine Actionklamotte übrigens, bei der er nicht nur Regie führte, sondern zu der er auch das Drehbuch schrieb. Zum ersten und letzten Mal.

Szene aus dem Film Rush

Daniel Brühl ist Niki Lauda

Ob den beiden britischen Produzenten von Working Title diese Visitenkarte ausreichte, um eines der spannendsten – wenn nicht gar das spannendste Duell der Rennsportgeschichte auf Zelluloid zu bannen? Mit dem Wissen, damit ihren Helden ein filmisches Denkmal zu setzen? Die Antwort auf diese Frage wird man wohl nie bekommen. Die Filme des US-Amerikaners gelten jedoch als Kassenmagnete. Seine Romanverfilmungen („Der Grinch“, „A beautiful Mind“, „The DaVinci Code“ „Illuminati“) hatten jeweils ein Vielfaches ihres Budgets eingespielt, für seine Umsetzung des Romans „A beautiful Mind“ hatte Howard 2001 gar den Regie-Oscar erhalten.

Ein erfolgreicher US-Regisseur setzt eines der spannendsten Formel-1-Duelle für die große Leinwand um. Eine gute Wahl? Weit gefehlt. Denn alle Filme des Amerikaners lassen etwas Elementares vermissen – eine eigene Handschrift des Regisseurs. Seine Regiearbeiten wie „Cocoon“, „Apollo 13“ oder „Willow“ versprühen allzu deutlich den Geist von Steven Spielberg. Sein Film „Schlagzeilen“ („The Paper“, 1994) sieht aus wie eine amateurhafte Kopie von Alan J. Pakulas „Die Unbestechlichen“ („All the President´s Men“, 1976), sein „Kopfgeld“ („Ransom“, 1996) atmet sichtlich den Geist des 70-Jahre-Regiealtmeisters John Frankenheimer. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich Howard auch mit seinem jüngsten Streich „Rush – Alles für den Sieg“ dreist bei Meilensteinen des Genres bedient. Wer die Filme „Grand Prix“ (1966) von Frankenheimer, „Bobby Deerfield“ (1977) von Sidney Pollack oder eben die Doku „Senna“ von Asif Kapadia gesehen hat, versteht, was ich meine.

Zusammen mit seinem Drehbuchautor Peter Morgan setzt Ron Howard persönliche Erlebnisse seiner Antagonisten – und dabei geht es vorwiegend um Erlebnisse, die sich außerhalb des Rennzirkus´ abgespielt haben – in bewegte Bilder um. Gemeinsam kopieren Morgan und Howard dabei die Vorgehensweise aus ihrer Zusammenarbeit bei „Frost/Nixon“. Wichtige Weichen werden im Wechsel aus- und chronologisch gegenüber gestellt. Wahre Rennsportfans, die auf spannende Streckenduelle hoffen, werden – wie bereits in Renny Harlins ungewollter Formel-Rennsport-Persiflage „Driven“ (2001) – einmal mehr enttäuscht. Allein Blickkontakte, einige spitzfindige One-Liner aus der Feder von Peter Morgan sowie ständige Nahaufnahmen von nachdenklichen Gesichtern sollen eines der härtesten Duelle der Rennsportgeschichte widerspiegeln – eine Enttäuschung.

Mit der Rückbesinnung auf Szenen aus dem Film, die den Nachhauseweg überdauern (sollen), wird die Enttäuschung noch größer. Am Ende bleibt nicht viel mehr haften als der Überbiss des grandios geschminkten und agierenden Daniel Brühl als Niki Lauda und sein Zitat: „Ist das jetzt eine Frage oder wollen Sie mich provozieren?“.

  



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*