KRITIK

Ruby & Quentin

Ruby & Quentin „Tais Toi!“, das bedeutet so viel wie: „Halt die Schnauze!“ Es ist der Originaltitel dieser französischen Erfolgskomödie über einen wortkargen Millionendieb und eine endlos plappernde Nervensäge. Und es ist zugleich, nach nur ein paar Dialogzeilen, ein an Dringlichkeit gewinnender Wunsch des Zuschauers. Denn obwohl dieses krachledernde Buddy-Movie mit Jean Reno und Gérard Depardieu sehr, nun ja, ansehnlich besetzt ist, will doch der Witz im Schlagabtausch nicht recht zünden. Im Gegenteil. Story und Scherzniveau erinnern gelegentlich an deutsche Komödien-Kracher vom Schlage „Zwei Nasen tanken Super“.

Jean Reno spielt hier den Kriminellen Ruby, der eine verhängnisvolle Affäre mit der Geliebten seines Gangsterbosses begonnen hat, was diese das Leben kostet. Im Gegenzug erleichtert Ruby den skrupellosen Chef um ein erkleckliches Sümmchen und bringt es noch fertig, die Beute beiseite zu schaffen, bevor er ins Gefängnis wandert. Dort aber teilt man ihm die Nervensäge Quentin (Depardieu) als Zellengenossen zu, was im Grunde gegen die Folterkonventionen verstößt, denn der kräftige Einfaltspinsel treibt mit seinem sagenhaft schlichten Gefasel jeden in den Wahnsinn. Ruby ist zwar ein Stoiker von Hause aus, doch selbst seine Geduld erreicht ihre Grenze, als Quentin ihn in einen dilettantischen Fluchtplan verwickelt und ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht. Kein Fettnäpfchen ist dabei zu klein für Quentins Tolpatsch-Getrampel. Und doch ist die Verfolgungshatz selbstverständlich der Beginn einer wunderlichen Freundschaft.

Regisseur Francis Veber, der einst den „Großen Blonden mit dem schwarzen Schuh“ für Pierre Richard erfand und mit dem Star-Komiker sowie Gérard Depardieu in den 80er Jahren Chaos-Klamotten wie „Zwei irre Typen auf der Flucht“ inszenierte, will hier wohl an die Glanzzeiten des französischen Slapstick-Kinos anknüpfen, geht dabei aber so derb bis dummdreist zu Werke, wie sein Quentin um Zuneigung bettelt. Oft und ausgiebig werden Polizisten verprügelt, abwechslungshalber schlagen sich Reno und Depardieu. Die beiden raufen sich zwar einigermaßen zusammen, wirken jedoch über weite Strecken gelangweilt. Im Grunde beweist dieser espritlose Film nur, wie schwer es ist, eine intelligente Komödie über dumme Menschen zu drehen.



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INHALT

Es ist kein Zufall, dass der eiskalte Profigangster Ruby ausgerechnet die naive Plaudertasche Quentin als Mitbewohner in seine Gefängniszelle bekommt. Gemeinsam mit dem Gefängnispsychologen hofft Kommissar Vernet, dass Blödmann Quentin den Eisblock, der nur den Wunsch hat, den Mord an seiner Geliebten zu rächen, zum Ausflippen und damit zum Reden bringt. Denn Ruby hat noch ein dickes Ding gedreht und die Beute versteckt, bevor er geschnappt wurde. Vernet hofft, dass Ruby ihn auf die Spur des Paten Vogel führt, der den Tod von Rubys Liebster auf dem Gewissen hat und ebenfalls hinter Rubys Beute her ist. Doch dann brechen Ruby und Quentin aus – gemeinsam. Während Ruby den Mord an seiner Liebsten rächen will, träumt Quentin davon, mit Ruby ein Bistro zu eröffnen. Der Killer wird die Klette nicht mehr los: Bonjour, le désastre!
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Eure Kritiken zu Ruby & Quentin

  1. Sneaker

    Aus der Sneak..Ich habe den Film in einer Sneak Preview gesehen und dachte: Wow! – Reno und Depardieu, was für ein Spaß. Doch die Freude hielt nicht lang. Die erste halbe Stunde ist sehr lustig, doch dann hat man das alberne Herumdiskutieren der beiden Hauptdarsteller doch gehörog satt.

  2. Tobi

    Großer SpaßIch fand den Film richig nett. Das Duo überzeugt durch Witz und Esprit. Bitte mehr davon. Und endlich mal wieder eine witzige franz. Komödie…

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