KRITIK

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rote Baron, Der Zahlen lügen nicht. Sagenhafte 80 Feindabschüsse konnte Manfred von Richthofen, den die Welt als den „Roten Baron“ kennt, im Laufe seiner staunenswerten Militärkarriere für sich verbuchen. Donnerwetter!
Nikolai Müllerschöns Film erwähnt immer wieder mal, wie viele alliierte Flugzeuge der Teufelskerl schon vom Himmel geholt hat. An der wachsenden Zahl merkt man, wie die Zeit vergeht. Und am Ende, wenn im Abspann noch mal die Kurzbiographien aller historischen Personen nachgereicht werden, steht also neben Richthofens Namen, dass er während des Ersten Weltkriegs 80 Luftsiege errungen hat.

Mensch Manni, denkt man spätestens in diesem Moment, du tollkühner Held in deiner fliegenden Kiste, Männer deines Formats fehlen unseren schlappen Zeiten! Rund 18 Millionen hat „Der Rote Baron“ gekostet. Viel Geld für hiesige Verhältnisse. Aber Müllerschöns Heldenepos aus der Kadettenanstalt gibt sich alle Mühe, sich das nicht anmerken zu lassen. Man kann schon mal vorwegnehmen, dass „Der Rote Baron“ zum Albernsten zählt, was in den letzten Jahren ins Kino gekommen ist.

Die Ausstattung: Schlechter als im schlechtesten Vilsmaier-Film. Immer wieder hat man Angst, dass die sorgsam zusammengetragenen Museumsstücke kaputt gehen könnten. Die Luftkämpfe: Ein großes Gähnen, keine Spur vom „fliegenden Zirkus“, den Richthofen in seiner rot gestrichenen Fokker zusammen mit den Kameraden von der Jagdstaffel 11 entfesselt haben soll.

Wenn schon Kriegsverherrlichung, dann doch bitte mit Schauwerten! Man sieht aber nur ununterscheidbare Doppeldecker mit knatternden Bordkanonen umeinander kreisen.

Die Schauspieler schließlich: Schießbudenfiguren. Ins Gejammer um die fehlende Starpower des deutschen Kinos muss man nicht einstimmen. Aber wenn man Matthias Schweighöfer, als Bubi-Baron nur unfreiwillig komisch, sowie die Kollegen Til Schweiger und Axel Prahl in ihren Freilichtbühnen-Uniformen so nebeneinander stehen sieht und hört, wie sie sich papierene Einzeiler zuwerfen, denkt man doch: Gleich schnappt sich einer von denen einen Hund und spaziert in die nächste Vorabendserie hinüber, um Verbrecher zu jagen.

Und das alles ist ja nicht mal das Hauptproblem dieser aus der Zeit gefallenen Landser-Romanze. Im Gegensatz zu Zahlen lügen Filme sehr wohl. Die Chuzpe, mit der von Richthofen, ein bekennender Abschuss-Fetischist, hier zum wackeren Sportskameraden und Kriegs-Popstar verkitscht wird, dem schließlich die nette Krankenschwester Käte (Lena Headey) eine Dosis Pazifismus einimpft, ist einfach erstaunlich.

Zumindest im Ersten Weltkrieg dürfen die Deutschen nun also wieder Helden entdecken. Warten wir`s ab: Bald feiert Bernd Eichinger Rommel, den Wüstenfuchs, als Tausendsassa.



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INHALT

Der erst 24-jährige Freiherr Manfred von Richthofen ist ein begnadeter Kampfpilot im Ersten Weltkrieg. Ganz Europa fürchtet seine rotgestrichene Fokker. Luftduelle sehen er und seine Kameraden Voss, Sternberg und Lehmann als kühnen Sport. Erst als sich Richthofen in die Krankenschwester Käte verliebt, öffnet sie ihm die Augen für die Schrecken des Krieges.
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Eure Kritiken zu rote Baron, Der

  1. Udo

    In der Tat ein Mega-Flop. Was hier nicht stimmt ist die Regie. Falsches Timing, falsche Einstellungen und die falsche Szenen-Auswahl summieren sich zu einem irgendwie tragi-komisches B-Movie.

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