KRITIK

Rocky Balboa

Rocky Balboa Rentner stehen vor einem Schaufenster, sie tragen Arbeitskleidung und haben die Arbeitsmittel in der Hand, die Fensterputzer für ihre Arbeit benötigen. Einige weiß ergraute ältere Herren putzen die Schaufenster einer Apotheke. Dieses unwirkliche Szenario war unlängst in einem Fernsehfilm des ZDF zu sehen und erzählte vom „Aufstand der Alten“. Eine Filmfigur hätte hier vielleicht ihr Aushängeschild sein können. Doch besagter Fernsehfilm schilderte ein Szenario des Jahres 2050. Nun kündet auch Hollywood-Schauspieler Sylvester Stallone von der Last des Alterns. Er ist noch einmal in die Figur geschlüpft, die ihm den größten Erfolg beschert hat – Rocky Balboa.

Und konsequenterweise ist dieser Film nicht seriengerecht „Rocky 6“, sondern schlicht „Rocky Balboa“ betitelt. Stallone führt seinen Helden und sich selbst zurück auf Anfang, zum Geist des furchtlosen Beginns. Doch es geht nicht um das Jahr 2050, sondern um die Gegenwart. So bastelt sich Sylvester Stallone hier als Autor und Regisseur eine irreale Welt, in der die Grenzen des Körpers aufgehoben sind. Rocky will nur ein paar kleine Kämpfe bestreiten, er möchte gern fit bleiben im Alter, verständlich. Doch als er in einer Talkshow einen fiktiven „Kampf der Legenden“ sieht, will er es noch einmal allen zeigen. Sein Alter im Film: Mitte 50. Das Alter von Sylvester Stallone zu Drehbeginn: 59 Jahre.

Wer Rocky-Filme kennt, der weiß, dass sie nach einem bestimmten Muster ablaufen: Die emotionale Einführung der Filmfigur, die Vorstellung des Gegners, die Herausforderung, das Training, der Kampf. Auch im sechsten Teil der Rocky-Saga wird dieses Muster nicht gebrochen. Rocky läuft wieder die Treppen zum Kunstmuseum in Philadelphia hoch, reckt triumphierend die Fäuste. Er bearbeitet auch hier tiefgefrorene Rinderhälften. Zurück zu den erfolgreichen Anfängen also. Doch genau aus diesem Grund ist der Film ziemlich bizarr. Ein Pensionär trotzt der Jugend. Der alte Mann und sein Flair. Stallone erzählt damit eine Saga konsequent fort, die kaum filmische Heldentaten vollbringt, dabei immer auf der Höhe der gesellschaftlichen Selbstwahrnehmung steht.

Man erkennt, dass Sylvester Stallone ein lupenreiner Autorenfilmer ist, der seine Ideen und Mythen zu einem Werk organisiert. Voller Klischees. Fragwürdiger Ideologie. Und reaktionärem Pathos. Die Dinge sind in diesem Film aus dem Gleichgewicht geraten und die Perspektiven so düster wie 1976. Den Figuren in den schäbigen Straßen fehlen Orientierung und Hoffnung, die alten Rezepte taugen nicht. Rocky wirkt dümmer denn je. Es ist ein leerer Film: nirgendwo Menschenansammlungen, nur Dunkelheit und Alter und Friedhofs-Szenen.

„Rocky Balboa“, das ist der Aufstand des Alten. Keine Gesundheitsapostel mit Sendungsbewusstsein, sondern ein Gesundschläger, der seinem Alter trotzen will. Eine Utopie über die volle Distanz.



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INHALT

Nach dem Tod seiner Frau Adrian führt Rocky ein bescheidenes Leben und ein kleines Restaurant. Im Unterschied zu Schwager Paulie ist Rocky in seinen Erinnerungen an das verlorene Glück gefangen, bis er aus seiner Melancholie geweckt wird. Eine alte Bekannte gibt ihm das Gefühl, wieder gebraucht zu werden. Und ein Weltmeister erkennt, dass man einen alten Fighter mit Herz boxen muss, um als junger Champ die Fans zu erobern.
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Eure Kritiken zu Rocky Balboa

  1. Janick

    „Rocky Balboa“ ist ein überflüssiger Mist-Film. Ich warte darauf, dass endlich mal wieder ein toller Film ins Kino kommt, aber es kommen zurzeit nur uninteressante Filme ins Kino und der schlimmste davon ist „Rocky Balboa“.

  2. Otis

    Ich halte Sylvester Stallones Abschluss einer saga für geglückt. Sly macht sich nie älter als er ist und man merkt ihm die Strapazen im Film einfach ab. Ein würdiger Abschluss einer tollen Reihe.

  3. Yvi

    Einfach nur super! Der Film hat mich total mitgerissen und einfach nur überzeugt! Wer den verpasst, der hat die beste Fortsetzung seit Herr der Ringe verpasst! Hut ab vor Sly!

  4. Hugo

    Danke Sly, war schon ein bewegendes Gefühl die Eintrittskarten für „Rocky Balboa“ in den Händen zu halten. So überraschend auch die Qualität des Filmes: Es ist Stallone hoch anzurechnen, dass selbst das Finale zur Nebensache gerät. Hier geht es nicht um den Boxer Rocky, sondern um den Menschen. Noch einmal wird der Geist des Orginals heraufbeschworen, der 5. Teil wiedergutgemacht und in jeder Szene wird klar, wie sehr hier Schauspieler und Filmfigur miteinander verwurzelt sind. Mit „Rocky Balboa“ geht ein Ära zu Ende.

  5. Astrid

    Rocky ist Kult! Rocky ist der kleine Mann, der immer anständig und fair ist. Hilfsbereit, ein Freund wie sich jeder von uns wünscht. Der Filmreihe hat niemand viel Aussicht auf Erfolg vorhergesagt – dennoch ist es eine der erfolgreichsten Stories der Kinogeschichte. Warum? Weil das Ganze so dumm ist – der Schauspieler immer die selbe Miene hat? Nein Freunde des Kino, es geht um die Story und die ist mit diesen einfachen so groß geworden. Genauso ist die letzte Folge – einfach, mitreißend, goldig … einfach nur einzigartig. Danke, Rocky.

  6. ThadMiller

    Rocky ist sicher kein Film für die ganz junge Generation. Aber wenn man, wie im meinem Fall, mit Rocky „groß geworden ist“, dann ist er ganz groß.
    Es muß einem klar sein das der Kampf im sechsten und letzten Teil hauptsächlich ausserhalb des Rings ausgetragen wird. In diesem Film geht es eigentlich nicht ums Boxen. Er zeigt wie das Leben ist, mit all seinen Niederschlägen und seiner Härte. Er handelt vom älter werden und vom Versuch das Schöne, das wie alles vergeht, festzuhalten. Ich hätte wirklich nicht gedacht das mir je ein Film mit Sly ans Herz geht. Aber dieser Abschluß einer Saga hat mich sehr berührt und zum nachdenken gebracht.

    Ein würdiger Abschied von Rocky.

    gruß
    Thad

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