KRITIK

Rock`n`Rolla

Rock`n`Rolla Bislang konnte es sich kaum ein Mensch leisten, in London zu leben, kein normalsterblicher jedenfalls. Man wird sehen, welche Schnäppchenpreise die Finanzkrise der britischen Boomtown noch beschert. In Guy Ritchies „Rock n Rolla“ ist die Immobilienwelt zwar noch in teuerster Ordnung, aber die Vorboten härterer Zeiten machen sich auch hier bemerkbar.

Ritchie erzählt vom Spekulanten-König Lenny Cole (Tom Wilkinson), der nach alter Schule Strippen zieht, Grundstücke kauft und Stadträte schmiert, es nun aber geschäftlich mit der Globalisierung in Gestalt eines russischen Oligarchen zu tun bekommt. Mit anarchischer Lust lässt der Regisseur Lennys Traditionsunternehmen mit der neureichen Rücksichtslosigkeit kollidieren, und selbstverständlich torpedieren auf beiden Seiten die Ritchie-typischen Schmalspurganoven durch wahlweise Verschlagenheit oder Vollidiotie den Deal der beiden. Für die Forcierung der Katastrophe sorgen die attraktive Buchhalterin des Russen (Thandie Newton), eine Kleingauner-Crew unter Führung des überforderten One Two (Gerard Butler, Foto) sowie Lennys totgeglaubter Stiefsohn Johnny Quid (Toby Kebbell), ein Junkie-Rockstar nach Pete-Doherty-Vorbild.

Wie schon „Bube, Dame, König, grAS“ und „Snatch“ ist auch „Rock n Rolla“ eine Versuchsanordnung in Sachen Chaos-Theorie – der Regisseur benimmt sich wie ein Lausejunge, der einen Fuchs in den Hühnerstall sperrt und zur Sicherheit noch ein paar Böller hinterherwirft. Dabei wird’s auch blutig, klar, aber allzu ernst zu nehmen ist es nicht. Guy Ritchie pflegt seinen tarantinoesken B-Movie-Humor und spielt so selbstironisch, wie es man es von ihm kennt, mit bleihaltigen Gangster-Topoi und testosteronüberhitzten Männlichkeitsbildern. Was das betrifft, sind seine Filme eine sichere Bank in ungewissen Zeiten.



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INHALT

Der um Respektabilität bemühte russische Mafioso Obamavich zeigt Interesse an einem Stück Land. Es gehört dem Londoner Strippenzieher Lenny Cole, der mit sieben Mio. Pfund von Obamavich einen schmierigen Politiker wegen Baugenehmigungen bestechen soll. An diesem Geld ist auch Obamavichs Buchhalterin Stella interessiert, die dafür den kleinen Gangster One Two und seine Bande anheuert. Sie weiß nicht, dass One Two selbst unter arger Geldnot leidet: Er hatte sich für besagtes Land sieben Mio. Dollar von Lenny Cole geliehen, der es ihm wieder stehlen ließ, um den schweren Jungen in der Hand zu haben. Bald schon betrügt jeder jeden. Bis Lennys drogenabhängiger Ziehsohn auf den Plan tritt.
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Eure Kritiken zu Rock`n`Rolla

  1. Christian

    „Tarantinoeskes B-Movie“ klingt so nach DVD Regal. Doch so schlecht ist das neue Guy Ritchie Meisterwerk gar nicht. Es ist ein Jungs-Film, sicher. Auch weil es ausschließlich um Sex, Drugs und dem titelgebenden RocknRoll geht. Doch mir hat der Film gefallen. Wie immer hat Guy Ritchie ein gutes Händchen für die richtigen Darsteller und ein wenig kommt das sexy Duo Thandie Newton / Gerard Butler in „Out of Sight“ Manier daher. Zusammen mit der coolen Musik lohnt sich dieser „B-Film“ auf alle Fälle.

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